5 FRAGEN AN

„Das Interesse nimmt stark zu“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Artur Frank

Artur Frank (58) stammt aus Zusmarshausen bei Augsburg.

2003 verkaufte er seinen Pharma-Betrieb und zog mit seiner Frau in ihre Heimat – in die Slowakei. Bald baten Bekannte um die Vermittlung einer Pflegekraft nach Deutschland. 2006 startete Frank eine Vermittlungsagentur für Heimplätze. Inzwischen arbeitet er mit acht Einrichtungen in Tschechien, Ungarn und Polen zusammen.

Wie läuft das Geschäft?

Sehr gut. Das Interesse an Seniorenheimen in Osteuropa nimmt stark zu. In meinen Anfangsjahren habe ich fast ausschließlich Pflegebedürftige vermittelt. Jetzt kommen zunehmend auch fitte Senioren aus ganz Deutschland, auch aus dem reichen Oberbayern.

Wer kommt zu Ihnen? Mit welchen Wünschen?

In den letzten Jahren vermehrt Paare, die ein Zuhause mit Anschluss an ein Pflegeheim suchen. Unser Haus am Balaton zum Beispiel ist voll, dort werden gerade vier Doppelbungalows gebaut – von acht Plätzen sind schon wieder sechs vergeben an Deutsche. Wir erweitern ständig, es wird auch neue Heime geben.

Was kostet Pflege dort?

Die Bewohner haben unterschiedliche Ansprüche. Ein Bungalow für zwei Personen kostet inklusive Essen, Getränke, Reinigung der Wäsche und der Wohnung rund 2100 Euro im Monat. Pflege macht zusätzlich 550 Euro pro Person aus. Ein Ein-Bett-Zimmer mit Pflege gibt es für etwa 1600 Euro, einen Platz im Zwei-Bett-Zimmer für 1250 Euro.

Was Sie anbieten, hat für manche einen faden Beigeschmack. Abschiebung, Greisen-Export...

Abschieben kann ich einen alten Menschen auch in Bayern – denn „abschieben“ bedeutet „nicht besuchen“. Ich war gestern in unserem Haus am Plattensee, dort wohnt ein Senior, der jedes Wochenende Besuch bekommt, einmal von seiner Tochter, einmal von seinem Sohn. Wenn unsere Bewohner Besucher haben, sind diese länger da, als wenn sie kurz mal im Heim um die Ecke vorbeischauen. Sie beschäftigen sich intensiver mit dem Angehörigen. Klar gibt es bei uns auch Menschen, die nie Besuch haben. Aber die gibt es überall.

Wächst auch Ihre Konkurrenz?

Ja. Unser Konzept wurde erst verteufelt, dann belächelt – und jetzt sehen viele, wie erfolgreich wir sind. Wir haben zunehmend Anfragen aus der Schweiz, deshalb eröffnen wir dort ein Büro. In der Schweiz wird im Moment die Debatte über „Abschiebung“ geführt, die wir vor drei Jahren hatten. In Deutschland sind wir schon weiter.

Interview: Carina Zimniok

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare