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Auf dem hohen Ross

Flüchtlinge: Berlin geht auf Europa los. Sigmar Gabriel ist, was für einen Genossen eher selten ist, endlich mal richtig zufrieden mit den Deutschen – und das darf er angesichts der enormen Hilfsbereitschaft inmitten der Flüchtlingskrise auch sein.

Doch oh weh, was ist nur mit Europa los, dem alten Sehnsuchtsort der Linken? Für  den SPD-Chef ist das plötzlich nur noch ein Kontinent der „Schande“, der Zäune baut und Flüchtlinge tötet.

Beneidenswert, wer in dieser epischen Krise über eine so einfache und unerschütterliche Weltsicht verfügt wie SPD und Grüne. Misslich nur, dass Europa partout nicht am deutschen Wesen genesen will. Dass es millionenfachen Zuzug aus Afrika, dem Balkan und der muslimischen Welt weniger als „Bereicherung“ denn als Herausforderung empfindet, gegen die es sich ungelenk zur Wehr setzt. Dass es nicht gleich über jedes Stöckchen springt, das Berlin ihm hinhält.

Man stelle sich nur mal vor, Brüssel zwänge, auf deutschen Druck, alle EU-Länder dazu, der Völkerwanderung die Tür zu öffnen: Es wäre das Ende der Union. Etlichen hierzulande täte es daher ganz gut, vom hohen Ross herabzusteigen. Die Pose der moralischen Überlegenheit, in die sich deutsche Politiker im Umgang mit ihren europäischen Freunden werfen, trieft vor Selbstgerechtigkeit. In Paris und London, Rom und Madrid hat man sehr wohl registriert, dass zumindest ein Teil des Problems, mit dem sich Berlin heute konfrontiert sieht, hausgemacht ist. Zu lange hat Deutschland die Illusion befeuert, dass allen, die sich bei uns ein besseres Leben erhoffen, geholfen werden könne; nur zu gern folgte der Westbalkan den Lockungen des Taschengelds, einer deutschen Spezialität. Jetzt sieht man sich überrannt und ruft nach Europa. Europa aber blickt nach Schweden. Dort hat man es Deutschland gleichgetan. Mit dem Ergebnis, dass die rechten Schwedendemokraten die Umfragen anführen.

Es stimmt ja: Die EU darf in der Flüchtlingswelle nicht weiter abtauchen. Aber wer wie Gabriel, Göring-Eckardt & Co. die Türen für Zuwanderer sperrangelweit aufreißt, sollte sie erst ein Stück weit schließen, bevor er nach Europa schreit. Denn so sehr die Moralisten die deutsche Debatte beherrschen: In der EU lösen sie nur Stirnrunzeln aus.

Georg Anastasiadis

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Georg.Anastasiadis@ovb.net

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