SAMSTAGSKOLUMNE

„Hoffentlich Allianz-versichert“…

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Dirk Ippen

Die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank hat nicht nur die Sparer enteignet.

Sie trifft auch die Kunden der Lebensversicherungen ins Mark. Die garantierte Verzinsung ist minimiert und versprochene Ablaufvergütungen sind in den Schornstein geschrieben. Die Versicherer haben sich verkalkuliert. Die Lebensversicherung ist ein Auslaufmodell geworden.

In dieser Woche hat nun der Bundesgerichtshof bestätigt, dass die Versicherer ihre sogenannten „stillen Reserven“ beim Ende der Verträge den Versicherten nicht auszahlen müssen. Eine Boulevardzeitung sprach dazu schon von einem neuen „Lebensversicherungsschock“ für Millionen von Kunden.

Um aber zu verstehen, warum das Gericht so entschieden hat, muss man wissen, dass die deutschen Lebensversicherer mehr als 80 Prozent ihres Vermögens in „festverzinsliche Wertpapiere“ investieren. Früher brachten solche Wertpapiere mit langer Laufzeit, zum Beispiel Industrieanleihen von Weltfirmen wie Daimler, gut und gerne 7 Prozent Zinsen. Wegen der fallenden Kapitalzinsen ist aber der Kurswert solcher hochverzinslicher Anleihen weit über den Nominalwert gestiegen. Für die Versicherungsgesellschaften spielt das eigentlich keine große Rolle, weil sie ja ohnehin die Absicht haben, diese Anleihen bis zur Endfälligkeit zu behalten, wo sie dann mit 100 Prozent zurückgezahlt werden. In den Bilanzen entstehen aber „stille Reserven“ oder Scheingewinne, weil auf dem Papier zum jeweiligen Bilanzstichtag diese Anlagen erheblich mehr wert sind.

Die Verbraucherschützer jedoch, die es gut meinen, aber auf vielen Gebieten schon ziemlich viel Unsinn in der deutschen Wirtschaft angerichtet haben, möchten auch diese Bewertungsreserven beim Auslaufen von Verträgen mit an die Versicherten ausgezahlt sehen. Dieses sei ein Anrecht und ein Anspruch, der verfassungsrechtlich den Kunden zustehe. Der Gesetzgeber hat im August 2014 einen Riegel davor geschoben. Seither werden Bewertungsreserven der Versicherer beim Auslaufen von Versicherungsverträgen nicht mehr an die Versicherungsnehmer ausgekehrt. Eine Atempause für die gebeutelten Versicherungsgesellschaften, deren Rechtmäßigkeit der Bundesgerichtshof nun bestätigt hat.

Die Versicherungsgesellschaften konnten eine so lange andauernde Nullzins-Politik nicht vorhersehen. Ihnen kann man kaum vorwerfen, dass sie in Schwierigkeiten geraten sind. Die Bundesregierung sah sich schon mehrfach genötigt, in das Versicherungsvertragsgesetz einzugreifen, teils um den Versicherern zu helfen, und auch, um die Versicherten zu entlasten, zum Beispiel durch eine Senkung der traditionell hohen Abschlusskosten. Leitbild bei all dem ist zu Recht, die Versicherer in den Stand zu setzen, die garantierten Renten immer zahlen zu können.

Auch das aber ist heute schon eine große Leistung. 34 kleinere Versicherungsgesellschaften sollen von finanziellen Schwierigkeiten bedroht sein. Auch wenn Ausfälle durch einen Haftungsverbund gedeckelt sind, ist der am besten dran, der eine kapitalkräftige Versicherungsgesellschaft für seine Altersversorgung gewählt hat. Allen voran steht dabei die Allianz. Ihr alter Werbespruch: „Hoffentlich Allianz versichert…“ bekommt nun ganz neue Bedeutung. Denn wer seine Rente von dort oder von einer anderen gut kapitalisierten Gesellschaft bekommt, kann immer noch am besten schlafen.

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ippen@ovb.net

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