Harmonie-Show eines ungleichen Duos

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Staatenlenker unter sich: Donald Trump mit Theresa May im Weißen Haus. Dazwischen die Büste von Winston Churchill.

Es ist ein viel beachteter erster Besuch: Theresa May, die Organisatorin des Brexits, zu Gast bei Donald Trump. Sie wirbelt Europa durcheinander, er die alte Weltordnung. Doch im Weißen Haus geht es vor allem um Freundlichkeiten.

May zu Besuch bei Trump

Von Friedemann Diederichs

Washington – Schon beim Fototermin im „Oval Office“ – die einst von Barack Obama in den Keller verbannte und von Donald Trump wieder aufgestellte Churchill-Büste in der Mitte – bemühen sich der US-Präsident und Theresa May um ausgesuchte Freundlichkeiten. „Sehr erfreut“, sagt der Gast aus Großbritannien, die erste internationale Regierungschefin im Weißen Haus seit dem Amtsantritt des „America-First“-Isolationisten. Es ist ein Treffen, das weltweit gespannt beäugt wird – und der erste Auge-in-Auge-Test des so undiplomatischen Trump, der noch am Vortag das Verhältnis zu Mexiko per Twitter in Trümmer legte und am Freitag bei einem Telefonat mit Präsident Nieto erste Reparaturversuche unternimmt. Nun, beim Händeschütteln mit der Konservativen May, fühlt sich der heftig kritisierte Mauer-Bauer „sehr geehrt“ und betonte: „Es ist eine große Ehre, Winston Churchill wieder hier zu haben.“

Doch spiegeln die protokollarischen Nettigkeiten das Klima während des knapp einstündigen Gesprächs wider? Das Duo gibt sich bei der nur 18 Minuten langen folgenden Pressekonferenz keine Blöße. May spricht diplomatisch routiniert von der „tiefen Verbindung“, der „besonderen Beziehung“ und von „offenen Diskussionen“, die gezeigt hätten, dass man sich in „vielen Punkten“ einig sei. Wo es kracht, bleibt offen. May widerspricht auch nicht der provokanten und erstmals im Weißen Haus öffentlich vorgetragenen These Trumps, dass Folter wirksam sei, aber er seinen Verteidigungsminister darüber entscheiden lassen werde.

Und die Sorge, dass Trump schon bald die Russland-Sanktionen der USA aufheben könnte? May schlägt hier einen Pfosten ein: Großbritannien wolle das Minsker Abkommen erst einmal voll umgesetzt sehen. Der vorsichtig wirkende Trump, der am Samstag mit Putin, Merkel und Hollande telefonieren will, weicht hingegen aus: „Wir werden sehen, was passiert. Es ist noch zu früh. Wir wollen eine großartige Beziehung zu Russland. Aber es gibt ja keine Garantien.“ Gleichzeitig stellt er in Aussicht, in Syrien mit Russland künftig an einem Strang zu ziehen: „Gegen den IS zusammen zu kämpfen, wäre gut.“ So klar Trump nach dem Wahlsieg Liebesgrüße nach Moskau geschickt hatte, so vorsichtig gibt er sich jetzt. Denn führende Parteifreunde des Präsidenten im Kongress haben klar gemacht, was sie von Putin halten: Ein „mörderischer Diktator“ sei er, so Senator John McCain.

Trump und May sind Produkte eines Aufstands gegen das Establishment und eigentlich völlig unterschiedlich – wie beim Blick auf die Nato. Doch als May am Freitag plötzlich versichert, auch ihre Gesprächspartner stehe „100 Prozent hinter der Nato“, gibt es vom zuvor kritischen US-Präsidenten keinen erkennbaren Widerspruch. May hatte schon vor dem Treffen Trump, der seinen überraschenden Wahlsieg immer mit dem ebenso unerwarteten „Brexit“-Votum gleichgesetzt hat, ermahnt: Die USA und Großbritannien hätten die Verantwortung, der Welt Führung anzubieten – aber ohne eine Intervention in souveräne Staaten.

Die Britin, die Trump Marmelade, Apfelsaft und auch eine Einladung für einen Staatsbesuch bei der Queen als Geschenk präsentiert, hatte deshalb eine heikle Mission bei einem unberechenbaren Präsidenten, dem US-Mediejn einen chaotischen Start attestieren. Denn Großbritannien braucht die USA unbedingt als Partner, wenn der EU-Ausstieg vollzogen ist. In diesem Punkt gibt es für London gute Nachrichten: Man will die Grundlagen für ein bilaterales Handelsabkommen legen, um „den Wohlstand zu vergrößern“ (May). Trump, der stets „Jobs, Jobs, Jobs“ predigt, kann da bei seinem diplomatischen Debüt nur zustimmen. Der Brexit werde „wunderbar für ihr Land“. „Gegensätze ziehen sich an“, hatte May auf dem Flug in die USA gescherzt. Sichtbar waren diese edenfalls bei der gut inszenierten Harmonie-Show nicht.

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