6 FRAGEN AN

„Habe Gasmasken organisiert“

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Reinhold Ewald

Reinhold Ewald war 1997 für drei Wochen auf der Raumstation Mir.

Heute arbeitet der 61-Jährige an der Uni Stuttgart – und zwar als „Professor für Astronautik und Raumstationen“.

Herr Ewald, wie oft sehen Sie im Traum die Erde aus dem Weltall?

(lacht) Nicht mehr so oft wie noch zu Zeiten meines Flugs. Aber die schönen Fotos meiner jungen Kollegen bringen mir dieses tolle Weltraum-Erlebnis oft in Erinnerung. Die Qualität der heutigen Bilder ist ja ungleich besser als mein Blick 1997 aus den Fenstern der Mir-Station.

Einer dieser Kollegen ist Alexander Gerst, der im Juni zum zweiten Mal zur ISS fliegt – dieses Mal als Kommandant. Geben Sie ihm Tipps?

Wir kennen uns seit Jahren, ich durfte seine Entwicklung begleiten. Für seine erste Zeit im All habe ich Alex geraten, mal innezuhalten und diese unglaubliche Position über der Erde zu reflektieren. Er ist ja dann 2014 an der Spitze des Roboterarms ins Weltall ausgestiegen – war in diesem Moment also noch einsamer.

Vermutung: Alle Probleme und Konflikte auf der Erde wirken aus dem Weltall betrachtet traurig und trivial.

Diese Erkenntnis bewegt alle Menschen, die ins All geflogen sind. Nicht nur Astronauten, sondern auch sogenannte Space-Touristen. Auch das ist ein Aspekt unserer Arbeit – wir wollen jungen Menschen erzählen, wie man die Erde aus dem All sieht.

Ihre drei Wochen im All liegen ziemlich genau 21 Jahre zurück. Was ist Ihre liebste Erinnerung?

Die Experimente. Wir haben etwa ganz neue Erkenntnisse über den Salz-Haushalt des Menschen gewonnen.

Und dann ist da auch noch das Feuer an Bord...

...diese Frage kommt natürlich immer. Ich selbst habe damals Gasmasken und Feuerlöscher organisiert. Gelöscht haben meine russischen Kollegen. Erst im Laufe der Nacht – das Feuer ist am Abend ausgebrochen – war klar: Wir können unseren Flug fortsetzen.

Nun feiert das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen sein 50-jähriges Bestehen. Was verbinden Sie mit diesem Ort?

Sehr viel. Während meiner Mission 1997 saß mein Team in Oberpfaffenhofen. 2006 war ich dann selbst im Kontrollzentrum – als Bodenmann für Thomas Reiter auf der im Aufbau befindlichen ISS.

Interview: Maximilian Heim

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