Vom guten zum schlechteren Geld

Dirk Ippen
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Dirk Ippen

samstagsKolumne Vom Geld hätte jeder gerne mehr.

Um den Wert unseres Geldes aber brauchten wir Deutschen uns seit Ludwig Erhards großartiger Währungsumstellung 1948 nicht weiter Gedanken zu machen. Dafür sorgte die Bundesbank. Gutes Geld muss dreierlei sein: Tauschmittel, Wertmaßstab und dazu Wertaufbewahrungsmittel.

Die Älteren von uns haben als Kinder noch die Zeit der abgewirtschafteten Reichsmark erlebt, als man für Geld fast nichts mehr kaufen konnte. Stattdessen blühte die Tauschwirtschaft. An den Wochenenden fuhren Männer und Frauen in völlig überlasteten Zügen als sogenannte „Hamsterer“ aufs Land. Abends kehrten sie müde zurück mit einem Sack Kartoffeln, den sie bei Bauern eingetauscht hatten gegen amerikanische Zigaretten, ein Pfund Tee vom Schwarzmarkt oder ein Erbstück aus dem Familienbesitz. Das Geld hatte seine Funktion als Tauschmittel verloren. Mit wenig Anstrengung hätte ein Güterzug die Kartoffeln gegen Geld in die Stadt bringen können. Viel wirtschaftlicher ist das heute, wo Geld das Tauschmittel ist.

Geld muss aber auch Wertmaßstab sein. Erst durch die in Geld ausgedrückten, von Angebot und Nachfrage bestimmten Preise wissen wir, was eine Dienstleistung oder ein Gegenstand wert ist. Auf vielen Gebieten ist diese Messlatte heute verfälscht. Ist eine Kilowattstunde Strom wirklich 26 Cent wert? Offenkundig nicht, das zeigen sehr viel niedrigere Strompreise in anderen Ländern. Unser Strompreis ist verfälscht durch Abgaben für die Erzeuger von Strom aus Wind und Sonne und durch zu wenig Wettbewerb unter den Strom-anbietern. Sind Grundstücke, Wälder und Ackerland, Häuser und Eigentumswohnungen in guten Lagen wirklich so viel wert, wie sie teuer heute angeboten werden? Wohl kaum. Die überhöhten Preise und das geringe Angebot entstehen, weil viele Bürger dem Geldwert nicht mehr recht trauen. Sie wollen lieber Sachwerte besitzen statt Geld.

Geld hat aber noch die dritte Aufgabe, ein Wertaufbewahrungsmittel zu sein. Und genau das ist der Euro im sechsten Jahr seit der ersten Griechenland-Rettung nicht mehr. Der EZB-Chef Mario Draghi druckt Geld so viel er kann und sorgt damit für niedrige Zinsen. Die Finanzminister mit ihren Schuldenbergen freuen sich, der normale Bürger aber kann nicht mehr für sein Alter vorsorgen. Denn die Zinserträge nach Abzug der darauf zu zahlenden Steuern reichen nicht aus, um Preissteigerungen auszugleichen. Lebensversicherungen, auf denen die meisten Altersversorgungen beruhen, mussten den von ihnen gewährten Zinssatz schon von ursprünglich 4 Prozent bis auf 1,75 Prozent absenken. Sie finden keine rentierlichen Anlagen mehr für ihr Kapital. „Wie tot ist die Lebensversicherung?“ titelte dazu eine große Boulevardzeitung.

Wo zwei von drei Funktionen guten Geldes aus dem Ruder laufen, haben wir eine abschüssige Bahn betreten. Vorsicht – bald könnte noch mehr fehlen am guten Geld.

Den Autor erreichen Sie unter:

Ippen@ovb.net

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