Die „guten Freunde“ Kim und Moon

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Grenzüberschreitung: Nordkoreas Diktator Kim und Südkoreas Präsident Moon am Freitag in Panmunjom.

Vor wenigen Monaten drohte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un noch mit seinem „Atomknopf“. Jetzt will er Frieden machen. Große Symbolik, große Gesten. Aber die Frage bleibt: Wie lässt sich der Atomkonflikt lösen?

Gipfeltreffen in Korea

Von Dirk Godder und Andreas Landwehr

Panmunjom – Es sind Bilder für die Geschichtsbücher: Der Handschlag von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsidenten Moon Jae In über die Demarkationslinie zwischen den blauen Baracken hinweg. Wie einfach sie dann über die kalte Betonschwelle im Boden nach Süden, nach Norden hin und her schreiten – als ob die Teilung der zwei Koreas so leicht zu überwinden wäre. Dann der „Friedensbaum“, den beide an der Grenze pflanzen, die zu den gefährlichsten, am schwersten bewachten der Welt gehört. Es folgt ihre Umarmung, nachdem sie die gemeinsame Vereinbarung unterschrieben hatten, die „ein neues Kapitel“ in ihrer Geschichte aufschlagen soll.

Ja, sie seien „gute Freunde geworden“, sagt der südkoreanische Präsident beim Abendessen und erhebt das Sektglas auf seine ungewöhnlichen Gäste aus Nordkorea. Ja, er meint den Machthaber, der am Neujahrstag noch mit dem „Atomwaffenknopf“ auf seinem Schreibtisch gedroht hatte. Er meint Kim, der die Region im Vorjahr mit Atom- und Raketentests an den Rand eines Krieges gebracht hatte. Der junge Machthaber entschuldigt sich bei dem historischen Gipfel am Freitag noch höflich, dass er Moon mit den meist frühmorgendlichen Tests um den Schlaf gebracht habe.

Beide Politiker halten sich am Ende sogar einträchtig an der Hand, als sie auf der Tribüne der bunten, musikalischen Abschiedszeremonie lauschen. Sein lang gestreckter Mercedes, an dessen Seiten – wie vom US-Präsidenten gelernt – jeweils sechs hochgewachsene Leibwächter laufen, fährt Kim dann einfach querfeldein über die trockene Wiese und die Demarkationslinie an den berühmten blauen Baracken im Grenzdorf Panmunjom vorbei zurück auf die nordkoreanische Seite – wieder so, als gäbe es keine Grenze.

Alles sehr beeindruckend. So sehr, dass sich Beobachter in Deutschland schon fast an den Fall der Mauer erinnert fühlen. Aber das ist Südkorea. Das Land der großen Gesten, der großen Symbolik, der reichen und schmerzhaften Geschichte. Auch das Land der monumentalen Enttäuschungen, weil frühere Gipfel schon mit ähnlich vollmundigen Versprechen und leidenschaftlichen Plänen zu Ende gegangen waren, die dann nicht erfüllt wurden.

Auch US-Präsident Donald Trump feiert den Erfolg des Gipfels,. Am Abend sagt der in Washington, seine „Kampagne des maximalen Drucks“ habe geholfen, die Einigung zu erreichen. Dabei ist er der Abschaffung des Kimschen Atomarsenals nur einen kleinen Schritt näher gekommen.

Erstmals bekennt sich Kim in der gemeinsamen Erklärung öffentlich zu einer „kompletten Denuklearisierung“. Aber noch genau vor einer Woche hatte derselbe Kim den Aufbau seines Atomwaffenprogramms als „großen Erfolg“ gefeiert. Überhaupt sieht er Denuklearisierung eher im weltweiten Kontext, also wenn alle Atommächte, darunter auch die USA, nuklear abrüsten.

Das vage Versprechen ist aber ausreichend, um den Weg für das geplante Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump in wenigen Wochen zu ebnen. Bis zu einer vollständigen Beseitigung des Atomarsenals ist allerdings noch ein sehr weiter Weg. Hat Trump die Geduld?

Ein Friedensvertrag zur formellen Beendigung des Korea-Kriegs vor 65 Jahren, Sicherheitsgarantien, Entspannung: Die Charmeoffensive Kims und die Aussöhnung der zwei Koreas könnten es Trump schwer machen, seine Kampagne des „maximalen Drucks“ mit den Sanktionen aufrechtzuerhalten.

„Nordkorea ist ein Atomwaffenstaat“, sagt der Professor der südkoreanischen Kookmin-Universität, Andrej Lankow. „Das ist eine Tatsache. Sie haben Atomwaffen und können sie explodieren lassen. Wir müssen uns mit der Realität auseinandersetzen.“

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