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Grüne warnen vor „Kostenlawine“ bei Stromtrassen

Geplanter Vorrang für Erdkabel „blanker Populismus“ – Netzbetreiber: Verachtfachung der Bausumme möglich. München – Die Grünen warnen vor eine Kostenexplosion beim Stromnetzausbau wegen des geplanten Vorrangs für Erdverkabelung.

„Ich halte das von Seehofer und Gabriel ausgehandelte Vorhaben für volkswirtschaftlichen Irrsinn“, sagt ihr wirtschaftspolitischer Sprecher im Bundestag, Dieter Janecek, unserer Zeitung. Sollte die Erdverkabelung Standard werden, rolle eine „kaum vorstellbare Kostenlawine auf Stromkunden und Steuerzahler zu“. Janecek geht von Mehrkosten im „deutlich zweistelligen Milliardenbereich“ aus.

Auf den Vorrang von Erdverkabelung vor Freileitungen hatten sich im Juli die Spitzen der Großen Koalition geeinigt – vor allem auf Drängen von CSU-Chef Horst Seehofer. Damit reagierten sie auf Protest aus der Bevölkerung gegen die großen Gleichstrompassagen, die Strom von Norddeutschland in den Süden transportieren sollen. Bisher sollten die Leitungen grundsätzlich auf 70 Meter hohen Masten und nur in Ausnahmefällen unter der Erde verlaufen. Dass dieser Grundsatz nun umgekehrt wird, bestätigt die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage Janeceks. „Zwischen einem festgelegten Anfangs- und Endpunkt wird folglich bei den HGÜ-Leitungen zukünftig grundsätzlich eine Erdkabeltrasse gesucht werden“, schreibt Staatssekretär Rainer Baake (Grüne).

Janecek hält das für falsch und fordert mehr Freileitungen. „Die grundsätzliche Verteufelung von Freilandleitungen ist blanker Populismus“, kritisiert er. Erdverkabelung sei meist ein deutlicher größerer Eingriff als die Aufstellung von Masten. Zur Absicherung der Kabel brauche es zusätzliche Bauwerke in der Fläche. Zudem könne Wärmeabstrahlung die Böden belasten.

Wie teuer die Erdverkabelung aber tatsächlich wird, ist unklar. Über lange Strecken gibt es noch keinerlei Erfahrungen mit sogenannten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ). Das bayerische Wirtschaftsministerium schätzt die Mehrkosten für die drei geplanten Großtrassen in Deutschland auf elf Milliarden Euro. Das wäre in etwa das Dreifache der Kosten für Freileitungen. Die Schätzung liegt am unteren Ende der von Fachleuten kalkulierten Summen. Laut einer Sprecherin des Netzbetreibers „50Hertz“ können Erdkabel verglichen mit der Mastenlösung drei- bis achtmal so teurer werden. Im äußersten Fall müsste man demnach mit eine Kostensteigerung von mehr als 30 Milliarden rechnen. „50Hertz“ soll einen Teil der Süd-Ost-Passage von Sachsen-Anhalt nach Bayern bauen.

Wie teuer Erdkabelleitungen letztlich wären, ist ungewiss. Das hänge von den „konkreten Gegebenheiten innerhalb der jeweiligen Trassen“ ab, schreibt Staatssekretär Baake. Dazu zählen zum Beispiel Landschaft und Bodenbeschaffenheit vor Ort und mögliche Hindernisse.

Eine konkrete Kostenschätzung will das Wirtschaftsministerium nicht abgeben. Eine Sprecherin verteidigt die geplante Regelung. Die Leitungen würden zwar teurer, dafür spare man Prozesskosten, müsse nicht mehr gegen lokalen Widerstand ankämpfen. Ähnlich argumentiert sogar inzwischen die bayerische Wirtschaft. Die Erdverkabelung schaffe Akzeptanz und trage damit „zum rechtzeitigen Bau“ der Leitungen“ bei, sagt vbw-Geschäftsführer Bertram Brossardt. Soll wohl heißen: Kosten hin oder her – Hauptsache, die Trassen werden endlich gebaut. til huber

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