STADT DER EXTREME: KATASTROPHEN-FLUGHAFEN, CHAOS IN DER VERWALTUNG UND DEALER, DIE DIE POLIZEI NICHT FÜRCHTEN MÜSSEN

Ach du grüne Neune, Berlin!

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Dealen gehört in Berlin zum Stadtbild – zumindest im Görlitzer Park. Im Bild eine Razzia im Jahr 2016. Fotos: Dpa

Berlin – Kurios, kurioser, Berlin: Hat etwas Seltenheitswert, ist die Chance groß, dass es in der Hauptstadt passiert ist.

Ein Pannen-Überblick:

BER: Auf ewig unvollendet?

Die Musik kennt unvollendete Meisterwerke, die dennoch perfekt sind. Nun ist der nach wie vor im Bau befindliche Flughafen BER nicht Mozarts „Requiem“ und definitiv nicht perfekt. Eigentlich hätten im Juni 2012 die ersten Maschinen starten sollen, angepeilt ist nun als „belastbarer Termin“ Oktober 2020. Der Berliner Pannen-Flughafen rutscht von einer Katastrophe in die nächste: Jeder dritte der 4000 Räume wurde falsch nummeriert, die Rolltreppen aus dem Bahnhof sind um vier Stufen zu kurz, den automatischen Türen fehlt der Strom, und der Feueralarm funktioniert in vielen Bereichen nicht, weil die Rauchmelder mit Mörtel verdreckt sind. Aber auch die Instandhaltungsmaßnahmen sind kurios: So fährt wochentags jede Nacht eine leere S-Bahn durch den BER, damit die Anlagen nicht rosten oder schimmeln.

Görlitzer Park: Wo Dealen geduldet ist

Lange war der Görlitzer Park im Herzen Berlins Drogenumschlagplatz Nummer eins – und das ist er auch heute noch. Denn die Behörden haben die Grünanlage in Kreuzberg mittlerweile verloren gegeben. „Wir werden uns auf die Weiterexistenz des Handels einstellen müssen“, heißt es vonseiten der Stadt. Dealer und Konsumenten gehen bei bis zu 15 Gramm Cannabis straffrei aus – sinnigerweise verkaufen die Berliner Spät-Kioske („Spätis“) extralange Blättchen für den Kreuzberger Joint „Görlitzer Park“.

Lageso: Ein Sinnbild des Chaos

Berlin zeigte sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise von seiner hilflosen Seite. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales, Abkürzung Lageso, wurde zum Sinnbild für die Unfähigkeit der Stadt, für das völlige Versagen organisatorischer Strukturen. Bei der Registrierung der Menschen herrschte Chaos, Flüchtlinge campierten in Parks, es kam zu Massenschlägereien – die Szenen vor dem Amt waren sogar der „New York Times“ eine Geschichte wert. Berlin behalf sich, indem es dem Lageso die Zuständigkeit entzog.

Breitscheidplatz: Hohn für die Opfer

Geschmacklosigkeiten und schwere Mängel prägten den Umgang der Stadt mit den Opfern und Angehörigen des Terroranschlags vom Breitscheidplatz im Dezember 2016. Angehörige erhielten monatelang kein Kondolenzschreiben vom Bürgermeister der Stadt, da die Adressen angeblich nicht aufzutreiben waren – aber Rechnungen für Obduktionskosten samt Mahnhinweis wurden zuverlässig zugestellt. Die Hinterbliebenen machten ihrer Wut und Verzweiflung in einem Brief an die Kanzlerin Luft.

Berliner Behördenwahn

Die Stadtverwaltung gilt manchem als Ursprung von allem, was in Berlin verkehrt läuft. Tatsächlich glänzen die Mitarbeiter, je nach Bezirk, mit durchschnittlich 34 bis 42 Fehltagen, bei Problemen wird auf die Verweigerung der Software „Autista“ verwiesen. Manchmal sind die Probleme aber menschengemacht: Zur Bundestagswahl weigerten sich 46 Hausmeister, sonntags den Dienst anzutreten und Schulen aufzuschließen, die als Wahllokale dienen sollten. Die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG rät den Kunden, Ersatzbusse zu meiden – meist wird nicht nur die U-Bahn repariert, sondern parallel auf der Ersatzstrecke gebaut. Für einen Heiratstermin schlägt man seine Zelte am besten im Morgengrauen vor dem Standesamt auf. Das Aus- und Zustellen einer Sterbeurkunde kann durchaus 38 Tage dauern.

Ein Fall für sich: Die Berliner Polizei

Die Berliner Polizei ist unterbesetzt. Das Verhalten einiger Polizisten beim G20-Gipfel in Hamburg erklärt das nur bedingt: Beamte feierten eine rauschende Party, seitdem kursiert ein Berliner Wappen mit zwei kopulierenden Bären mit Bierflasche in der Hand und Polizeimütze auf dem Kopf. Die Feier blieb ebenso ohne Folgen wie der Auftritt eines Polizeischülers in einem Pornofilm. Für einen fatalistichen Umgang mit Ausnahmesituationen ist Berlin berüchtigt. „Acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge machen uns sehr nachdenklich und betroffen“, twitterte die Berliner Feuerwehr am Neujahrstag. Kathrin Brack

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