GroKo-Gegner auf Tour

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Tee für die Stimme: Kevin Kühnert kämpft in München mit einer Erkältung. foto: Schlaf

Juso-Chef Kevin Kühnert ist das Gesicht der GroKo-Gegner in der SPD. Während die Partei entscheidet, tourt er durch Deutschland, um letzte unentschlossene Genossen zu überzeugen. In München trifft er auf wenig Gegenwehr.

sPD

Von sebastian Horsch

München – Der Mann, der die SPD spaltet, wird übersehen. Vor der Tür der „Münchner Stubn“, direkt am Hauptbahnhof, drängen sich die Menschen, als Kevin Kühnert einen Weg hinein sucht. Er soll da drinnen gleich sprechen, die Leute sind alle wegen ihm hier. Aber sie erkennen ihn nicht. Mit seiner schlabbrigen Jeans, den Turnschuhen und dem Rucksack sieht er aus wie einer von ihnen, nicht wie die Hauptfigur. Höflich bittet Kühnert sich durch die Menschentraube, bis der Mann am Einlass ihn endlich sieht. Ah, der Kevin, nichts wie rein.

Kevin Kühnert ist in den vergangenen Wochen vom außerhalb der SPD weitgehend unbekannten Juso-Chef zum Polit-Promi aufgestiegen. Er hat die Stimme erhoben für alle in der Partei, die gegen den Plan der Spitze sind, es noch einmal zu wagen mit der Union. Kühnert ist das Gesicht der NoGroKo-Bewegung, die gegen eine Neuauflage der Großen Koalition ist, weil sie glaubt, dass ihre Partei dabei Schaden nimmt – und zwar mehr, als sie aushalten kann. Der Juso-Chef ist gerade in ganz Deutschland unterwegs, um Genossen, die sich noch nicht entschieden haben, davon zu überzeugen. Die Abstimmung läuft, die 463 723 berechtigten SPD-Mitglieder stimmen in diesen Tagen ab. 20 Prozent haben sich bereits festgelegt, das Votum – wie immer es lauten wird – ist damit verbindlich.

Auch einige im Raum haben ihre Entscheidung längst getroffen. Wie die junge Frau, die erzählt, dass sie bald ihr zweites Kind bekommt und sich große Sorgen um die Zukunft macht. Und wie die ältere Dame, die seit 52 Jahren SPD-Mitglied ist und auch schon 2013 gegen die GroKo war, weil auch da schon nichts gegen Kinderarmut unternommen worden sei. Kühnert trifft genau ihre Wellenlänge, wenn er von den über 900 „wollen“, „möchten“ und „sollten“ spricht, die im Koalitionsvertrag stehen. „Unkonkreter geht es nicht“, sagt er. Die SPD müsse aber wieder entschlossen wirken, sich abgrenzen von der Union. „Wir werden als Wischi-Waschi-Partei wahrgenommen.“ Applaus.

Aber es gibt auch die Unentschlossenen. Der Landtagskandidat aus Niederbayern, der Kühnert fragt, was er denn den Wählern sagen soll, an deren Türen er im Haustürwahlkampf bald klingelt. Oder der Mann aus Fürstenfeldbruck, der wissen will, wie es nach einem Nein zur GroKo denn weitergehen soll. „Wie soll das funktionieren, ohne dass uns der Laden um die Ohren fliegt?“

Auch er könne keine Garantie abgeben, sagt Kühnert. Doch wenn die GroKo scheitere, dann blühe auch der Union endlich eine Debatte „mit den Verschiebungen und Verwerfungen, die wir schon haben“. Eine Dynamik könne sich entwickeln, „die die Parteienlandschaft verändert“. Für die SPD dagegen könne die Verweigerung ein Aufbruch sein. „Draußen warten Zehntausende auf das Signal, dass die SPD sich erneuert, damit sie mitmachen können.“ Kühnert appelliert an die Genossen. „Lasst euch nicht von Angst treiben“, sagt er. „Eine Partei, die sich vor Neuwahlen in drei Monaten scheut, kann den Laden auch gleich ganz dichtmachen.“ Man dürfe nicht reinfallen auf „die alte Vaterlandsverräter-Nummer“.

Ohne starke Stimme bleiben die überzeugten GroKo-Befürworter in der SPD. Das war anders geplant. Die Jusos hatten sich um einen Diskussionspartner von der Gegenseite bemüht – bei der Münchner SPD, bei der Bayern-SPD, in der Landtagsfraktion. In der Sitzungswoche kamen jedoch nur Absagen zurück.

Doch dann gibt es doch noch jemanden, der sich klar für die Große Koalition einsetzt. Ein Mann aus dem Publikum mit tiefem bairischem Einschlag redet auf Kühnert ein wie auf ein krankes Pferd. Nur wenn sie an der Regierung sei, könne die SPD gestalten. Das müsse er doch verstehen. Ob Kühnert also wirklich der Meinung sei, die Opposition sei die bessere Option für die Sozialdemokraten, fragt der Mann den Juso-Chef. Dass die Sympathien im Raum dem Gast dafür nicht gerade zufliegen, liegt wohl daran, dass man ihm seine Sorge um die SPD vielleicht nicht ganz abnimmt. Er wähle die CSU, hatte er zu Beginn seiner Wortmeldung verraten. Unter Umständen auch die FDP.

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