„In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!“

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David Cameron (49) am Mittwoch im Parlament. FotO: AFP

Scheidender britischer Premierminister attackiert Labour-Chef Corbyn – Cameron-Nachfolge weiterhin offen. London – Im britischen Unterhaus liegen die Nerven blank.

Der scheidende konservative Premierminister David Cameron hat Oppositionschef Jeremy Corbyn scharf angegriffen und zum Rücktritt aufgefordert. „In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!“, rief Cameron, der nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt angekündigt hat, dem Labour-Vorsitzenden am Mittwoch im britischen Parlament zu. Es sei zwar für die Konservativen nützlich, wenn Corbyn weiter die Opposition führe, aber nicht im nationalen Interesse.

Die Labour-Fraktion revoltiert seit Tagen gegen den Parteilinken Corbyn und hatte ihm mit großer Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Das Votum hat aber keine bindende Konsequenz. Corbyn, der von der Parteibasis im Herbst überraschend ins Amt gewählt worden war, will nicht zurücktreten und wieder kandidieren, falls ein neuer Labour-Chef gewählt wird. Die Fraktion wirft ihm vor, er habe im Wahlkampf gegen den Brexit eine schwache Figur gemacht und werde der Partei im Fall einer Neuwahl eine verheerende Niederlage einbrocken.

Im Rennen um die Nachfolge Camerons als konservativen Parteichefs und Premierministers hat unterdessen der erste Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen. Arbeitsminister Stephen Crabb kündigte am Mittwoch an, im Falle seiner Wahl das Thema Einwanderung in den Austrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zur „roten Linie“ zu machen.

Der 43-jährige Crabb gilt allerdings als Außenseiter. Weitaus bessere Chancen werden Brexit-Wortführer Boris Johnson und Innenministerin Theresa May zugestanden. Von beiden wird bis spätestens heute eine offizielle Bewerbung erwartet. Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt erwägt eine Kandidatur. Wenn es mehr als zwei Kandidaten gibt, wird das Bewerberfeld kommende Woche per Abstimmung der Tory-Abgeordneten verkleinert. Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die rund 150 000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen.

Cameron hatte nach dem Brexit-Votum für einen EU-Austritt Großbritanniens seinen Rücktritt angekündigt. Spätestens am 9. September soll feststehen, wer der nächste Chef der Konservativen – und damit wohl auch neuer Premier – wird. Ihm oder ihr dürfte es obliegen, über den Austritt zu entscheiden und den Wunsch der EU offiziell zu übermitteln.

Dennoch hofft der scheidende britische Premierminister weiterhin auf informelle Gespräche über Großbritanniens zukünftige Beziehung zur EU. Das sagte Cameron im britischen Parlament. Führende Politiker aus den EU-Mitgliedstaaten und Brüssel hatten zuvor klargemacht, dass sie erst nach einer britischen Austrittserklärung zu Scheidungsverhandlungen bereit sind. „Ich denke aber nicht, dass davon Gespräche eines neuen Premierministers mit den Partnern oder sogar den EU-Institutionen ausgeschlossen sind“, sagte Cameron.  dpa/afp

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