Getöse um das Gedenken

„Armselig, schäbig, unerträglich“ – die Reaktionen der CSU auf den angekündigten Strauß-Gedenkboykott der bayerischen Opposition sind heftig. Doch auch Kanzlerin und Landtagspräsidentin haben ihre Teilnahme am Staatsakt abgesagt – wenn auch aus anderen Gründen.

Staatsakt zu Franz Josef Strauss

„Armselig, schäbig, unerträglich“ – die Reaktionen der CSU auf den angekündigten Strauß-Gedenkboykott der bayerischen Opposition sind heftig. Doch auch Kanzlerin und Landtagspräsidentin haben ihre Teilnahme am Staatsakt abgesagt – wenn auch aus anderen Gründen.

Von Til Huber

München – Alles hätte sich so gut fügen können. Am Freitag ist die Bundeskanzlerin in Bayern. Vormittags besucht sie eine Mittelschule im Landkreis Landshut, später schaut sie im Gründerzentrum der TU München in Garching vorbei. Bis zur Münchner Residenz wären es nur ein paar Minuten. Dort gibt Ministerpräsident Horst Seehofer nachmittags den Staatsempfang zum 100. Geburtstag Franz Josef Strauß’. Ihren Besuch hat Angela Merkel aber schon vor Wochen abgesagt. Ab dem Nachmittag ist sie mit der Essener CDU unterwegs, abends ist sie beim 70-jährigen Jubiläum ihrer nordrhein-westfälischen Landespartei in Köln.

Lieber Adenauer als Strauß – verständlich für eine CDU-Vorsitzende. Für die CSU ist es aber schon ein wenig bitter. Zumal die Kanzlerin nicht die einzige hochrangige Unionspolitikerin ist, die dem Gedenken fernbleibt. Auch die oberste Repräsentantin des Parlaments nimmt nicht teil: Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) ist im Ausland. Eine lange geplante Reise, betont ihr Sprecher. Statt ihrer kommt nur Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet. Offenbar steht die Strauß-Feier gerade unter keinem guten Stern.

Zwischen CSU und Opposition tobt ein heftiger Streit um das Gedenken an den 1988 verstorbenen früheren Regierungschef und CSU-Vorsitzenden. Die bayerische Opposition hatte ihre Teilnahme aus Protest gegen die „Strauß-Festspiele“ abgesagt und das in unserer Zeitung öffentlich gemacht. In der CSU löst das scharfe Kritik aus. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wirft der Opposition „absurde Verzerrungen“ vor. „Es ist armselig, wie die bayerische Opposition das staatliche Gedenken an einen langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten missbraucht, um selbst mal wieder in den Medien aufzutauchen“. Den SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher greift Scheuer persönlich an: „Rinderspacher bestätigt mit seinem unwürdigen Verhalten jedes Urteil von Strauß über die Bayern-SPD!“

Der SPD-Mann hatte der CSU in einem Interview mit unserer Zeitung „Geschichtsklitterung“ und „Heldenverehrung sowjetischer Prägung“ vorgeworfen. Strauß sei ein „skandalumwitterter“ Politiker und politisch eigentlich „nur eine Episode in der Geschichte des Freistaats“. Die Fraktionschefin der Grünen, Margarete Bause, und der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hatten Strauß sogar als korrupt bezeichnet.

Für die CSU, die Strauß noch immer als ihren Übervater feiert, eine Provokation sondersgleichen. Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner greift die Opposition scharf an. Die Äußerungen zu Strauß seien „schäbig“ und „unerträglich“, betont Aigner. „Sie sind auch eine Unverschämtheit gegenüber dessen Familie.“

Kritik kommt auch aus der Staatskanzlei. Staatskanzleichef Marcel Huber wirft der Opposition ein „fragwürdiges Politikverständnis“ vor. „An der Würdigung einer herausragenden Persönlichkeit der bayerischen Nachkriegsgeschichte wie Franz Josef Strauß nicht teilzunehmen, ist ganz einfach schlechter Stil.“ Nur einer hat sich bisher nicht geäußert: Gastgeber Horst Seehofer.

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