TÜRKISCHE LIRA AUF TALFAHRT

Die Gesetze des Marktes

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Es war zu spät. Nachdem die türkische Zentralbank in dieser Woche endlich auf den Verfall der türkischen Lira reagierte und den Zins anhob, war die Talfahrt schon nicht mehr aufzuhalten.

Die Währung stürzt weiterhin ab – und droht nun dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Füße zu fallen. Denn die Finanzmärkte tanzen nicht nach der Pfeife des Mannes, der Gesetze nach Gutdünken erlässt und unliebsame Journalisten und Richter hinter Gitter bringt. Sie folgen ihren eigenen Gesetzen.

Obwohl die Inflation hoch ist, will Erdogan nichts von höheren Zinsen wissen. Er folgt einer eigenwilligen Wirtschaftstheorie, die besagt, dass höhere Zinsen nicht zu weniger, sondern zu mehr Inflation führen. Die türkischen Zentralbanker, die das (ebenso wie ihre Kollegen bei der EZB oder der amerikanischen Fed) anders sehen, will er künftig auf Linie bringen. Falls er dazu noch die Möglichkeit hat. Denn am 24. Juni stehen Wahlen an. Das starke Wirtschaftswachstum in der Türkei war in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor für den Wahlerfolg Erdogans. Die Währungskrise wirft darauf einen Schatten – und beunruhigt die Wähler immer mehr, wie aktuelle Umfragen zeigen. Der Kurssturz der Lira, den Erdogan selbst befeuert, könnte ihm ernsthaft gefährlich werden.

Manuela Dollinger

Sie erreichen die Autorin unter

Manuela.Dollinger@ovb.net

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