Gesetz gegen Gier

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Schweizer begrenzen Manager-GehälterDieser Blitz kam nicht aus heiterem Himmel.

Spätestens seit der Weltfinanzkrise hätte den Unternehmenseliten – in der Schweiz und global – klar sein müssen, dass exzessive Managergehälter die Wirtschaftssysteme demokratisch verfasster Gesellschaften vor unlösbare Legitimationsprobleme stellen. Der Verweis auf Angebot und Nachfrage auf dem Jobmarkt wird obszön, wenn er Chefsaläre rechtfertigen soll, die das der normalen Angestellten um das 1000-Fache übersteigen – erst recht, wenn umgekehrt ein einfacher Vollzeitjob immer öfter zum Leben nicht mehr reicht. Marktwirtschaft funktioniert nur, solange sie auch schwächeren Teilnehmern Chancen auf Teilhabe eröffnet.

Der unter dem Schock der Krise eher widerwillig verkündete Kulturwandel hat nicht überall weit getragen, wie der Fall Vasella beispielhaft zeigt: Dem Novartis-Verwaltungsratschef sollte der Abschied vom Pharmariesen jetzt mit 72 Millionen Franken vergoldet werden. Die Schweizer, wahrlich kein Volk von Kapitalismus-Verächtern, haben das als das betrachtet, was es ist: eine Plünderung des Unternehmens, zum Schaden der Aktionäre und der Spielräume für Investitionen und neue Jobs. Diese Selbstbedienung haben die Eidgenossen per Volksabstimmung gestoppt, und sie haben sich auch nicht kirre machen lassen von Warnungen vor einer Massenflucht der Konzerne mitsamt ihrer gut verdienenden Chefs.

Zu Recht. Das Land ist ja nicht auf dem Weg in ein marxistisches Nirwana. Viel Geld dürfen tüchtige Schweizer Manager auch künftig verdienen – wenn die Aktionäre es billigen. Ein solcher Vorbehalt stärkt die Aktionärsdemokratie. Verboten werden aber goldene Handschläge, von denen das Unternehmen oft nichts hat. Das Signal strahlt weit über die Schweiz hinaus: Auch deutsche Aufsichtsräte wissen, dass sie unter Beobachtung stehen. Von ihnen genehmigte Boni und Gehälter müssen, natürlich, den Regeln des  Marktes folgen – aber nur in einem von Anstand und Moral gesteckten Rahmen, den kein System sprengen kann, ohne in das Räderwerk der Demokratie zu geraten.

Georg Anastasiadis

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