„Gescheitmeier wollen wir nicht sein“

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Bernhard Pointner

5 Fragen aN. Bernhard Pointner, 40, ist Geschäftsführer der Genossenschafts-Molkerei Berchtesgadener Land, die ihren Bauern gut doppelt so viel wie andere Abnehmer bezahlt.

Herr Pointner, wie lange können Sie noch knapp 40 Cent pro Liter zahlen?

Solange die Verbraucher bereit sind, die 1,05 Euro für unsere Milch zu bezahlen. Das funktioniert nur, weil der Handel und die Kunden unseren Weg mitgehen. Die finden es gut, dass wir eine Genossenschaft sind und keine Aktionäre glücklich machen.

Spüren Sie aktuell den höheren Preisdruck?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Handel ist durch die aktuelle Entwicklung sogar sensibler geworden. Und Gottseidank auch die Verbraucher. Wir haben dank unserer treuen Kunden nach wie vor solide Absatzzahlen. Aber wir können momentan auch nicht expandieren.

Was haben die Kunden von der teureren Milch?

Eine bessere Qualität. Es werden die hiesigen Familienbetriebe erhalten und nicht Agrarfabriken mit hunderten Kühen finanziert. Wir schauen uns die Höfe genau an. Unsere Bauern setzen keine Grüne Gentechnik ein und reduzieren den Einsatz von Antibiotika auf ein Minimum. Die Kühe fressen mehr Gras als Mais oder Soja, und das schmeckt man. In der Molkerei geht es weiter: In unserer Erdbeermilch sind echte Erdbeeren und in der Schokoladenmilch richtige Schokolade. Das reicht heute leider schon, um sich von den Billiganbietern abzuheben.

Ihre Genossenschaft hat die Milchproduktion um sechs Prozent reduziert.

Ja, das war eine vernünftige Entscheidung, die unsere Bauern freiwillig mitgetragen haben. Einfach drauflos produzieren geht bei unserem Geschäftsmodell nicht. Sechs Prozent weniger sind ein paar hundert Euro pro Betrieb. Wenn wir nur noch 20 Cent pro Liter bekommen, müssten unsere Höfe zusperren.

Sollten sich andere Ihr Modell zum Vorbild nehmen?

Unser Modell funktioniert nur, weil wir klein sind und eine Nische bedienen. Das kann man nicht einfach kopieren. Wir wollen nicht als Gescheitmeier dastehen und anderen sagen, wie es richtig geht. Aber momentan ist das Verhältnis zwischen Bauern und manchen Molkereien sehr schlecht. Es müssen beide Seiten vernünftig miteinander reden. Der BDM tritt viel zu aggressiv auf, das sehen wir sehr kritisch. Das ist in der Krise nicht dienlich.

Interview: Josef Ametsbichler

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