DEUTSCHE-BANK-CHEF VOR DER ABLÖSUNG

Genug ist genug

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Bei der Deutschen Bank knallten kürzlich wieder die Champagnerkorken: 2,2 Milliarden Euro schüttete das Geldhaus für 2017 aus – an seine Investmentbanker.

Für die gebeutelten Aktionäre dagegen gab’s 735 Millionen Miese, den dritten Konzernverlust in Serie und mal wieder die Beteuerung, dass 2018 alles besser werde, diesmal ganz bestimmt. Bis die jüngst veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal für die nächste kalte Dusche sorgten. Das meiste, was die Bank seit Jahren an Kapitalerhöhungen einnahm, floss umgehend in die Taschen der Söldner vom Investment-Banking – die würden, hieß es entschuldigend aus der Vorstandsetage, sonst eben zur Konkurrenz abwandern.

Sollen sie doch! Ein Geschäftsmodell, bei dem eine Abteilung den Konzern und seine Eigentümer ausplündert, ohne auf der anderen Seite entsprechende Erträge zu erwirtschaften, ist auf die Dauer wenig überzeugend. Andere weltweit agierende Banken haben das verstanden. Die Deutsche Bank bis heute nicht. Kein Wunder, dass die Finanzmärkte gestern regelrecht euphorisch auf die Nachricht von der offenbar bevorstehenden Ablösung des braven, aber wenig Hoffnung auf Besserung weckenden Konzernchefs John Cryan reagierten.

Noch größer wäre die Freude allerdings, wenn mit ihm auch gleich Aufsichtsratschef Paul Achleitner seinen Hut nähme. Er trägt die Mitverantwortung für die strategischen Fehlentscheidungen seit dem Abgang Josef Ackermanns, für die Wahl von dessen glücklosen Nachfolgern Jain/Fitschen und den seit Jahren verstolperten Kulturwandel. Die Bank bleibt die Skandalnudel des deutschen Geldgewerbes – und mit Aktien-Kursverlusten von über 80 Prozent seit 2007 das größte Sorgenkind des hiesigen Finanzmarkts. In dieser Form ist Deutschlands wichtigste Bank ein Risiko für den Standort D. Genug ist genug.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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