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Gegner ließ der „Todesengel“ aus Flugzeugen werfen

Bis zu 30 000 Menschen verschwanden während der Argentinischen Militärdiktatur – Aufarbeitung dauert weiter anMünchen – Die Macht lag in den Händen argentinischer Militärs.

Sie ließen foltern und morden, sie trieben das Land in einen Bürgerkrieg, eine tiefe Wirtschaftskrise und 1983 in einen Krieg um die Falkland-Inseln, den Argentinien verlor. Der Krieg markiert das Ende der Militärjunta, die eine Spur des Grauens und ein zerstörtes Land zurückließ. Argentinien konnte zur Demokratie zurückkehren und die Verbrechen der Vergangenheit aufarbeiten. Präsident Raúl Alfonsin versuchte es bereits 1983, scheiterte aber an der immer noch großen Macht des Militärs. Die Verfahren wurden eingestellt. Erst zwei Jahrzehnte später, 2003, wurden sie unter Präsident Nestor Kirchner wieder eröffnet.

Vieles aus dem dunkelsten Kapitel der argentinischen Geschichte ist bis heute unklar oder umstritten. Dazu gehört auch die Rolle der katholischen Kirche, die nach Meinung von Kritikern zu lange geschwiegen hat.

Die dunklen Tage Argentiniens begannen mit einem Militärputsch am 24. März 1976. Staatspräsidentin Isabel Peron, unter deren Führung das Land in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, wurde entmachtet, eine Junta riss die Staatszügel an sich. An der Spitze der Aufständischen stand Jorge Videla, der Oberkommandierende der Streitkräfte.

Der Jubel des Volkes, das von Peron tief enttäuscht war und deshalb den Militärs anfangs Sympathie entgegen- brachte, verhallte rasch. Zwar hatte die Junta erklärt, dass sie ihre Politik an christlich-konservativen Werten ausrichten werde. Doch wie die Realität aussehen würde, machte General Menéndez schon kurz nach der Machtübernahme klar: „Wir werden 50 000 Menschen töten müssen. 25 000 Subversive und 20 000 Sympathisanten.“ Menschenrechtsorganisationen gehen heute davon aus, dass bis zu 30 000 Personen gefoltert und ermordet wurden – oder spurlos verschwanden.

Traurige Berühmtheit erlangte in den Jahren des „schmutzigen Krieges“ von 1976 bis 1978 die Folterbrigade „Task Force 332“, auf deren Konto tausende Opfer gehen. Als Hauptquartier und Konzentrationslager diente der Mörderbande die Technikschule der Marine in Buenos Aires. Dort war auch der als „Blonder Todesengel“ berüchtigte Ex-Offizier Alfredo Astiz (heute 62 Jahre alt) aktiv.

Besonders bekannt wurde der Fall der beiden französischen Nonnen Alice Dornon und Léonie Duquet, die 1977 verschleppt und – wie hunderte andere Opfer der Junta – aus einem Flugzeug geworfen wurden. Erst im Oktober 2011 wurde Astiz zusammen mit 14 anderen Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Junta-Chef Videla (er ist heute 88 Jahre alt) wurde 2012 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zu den Opfern des „Todesengels“ zählt auch Azucena Villaflor de Vicenti, die Gründerin der „Madres de la Plaza de Mayo“ (Mütter des Platzes der Mairevolution). Azucena und andere Frauen gehörten zu den wenigen Menschen in Argentinien, die öffentlich gegen die Junta protestierten. Viele von ihnen bezahlten dafür mit dem Leben. Bis heute umrunden die mutigen Mitglieder der Organisation jeden Donnerstag für eine halbe Stunde den Platz, um ihren Einsatz für Gerechtigkeit und Aufarbeitung des Junta-Kapitels zu unterstreichen.  wm

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