7 FRAGEN AN

„Das Gefühl, Gott nahe zu sein“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Andreas Kaiser

Andreas Kaiser ist stellvertretender Leiter Kultur des Deutschen Alpenvereins (DAV) und beantwortet regelmäßig Anfragen zur Bedeutung des Gipfelkreuzes.

Warum gibt es Gipfelkreuze?

Das Kreuz als christliches Symbol auf dem höchsten Punkt des Berges gibt es schon lange. Das Gefühl, dem Himmel und damit Gott nahe zu sein, findet darin seinen Ausdruck. Übrigens auch in der Symbolik anderer Kulturkreise. Im Himalaja werden Gipfel mit buddhistischen Gebetsfahnen markiert, im islamischen Raum mit einem Halbmond.

Seit wann gibt es Gipfelkreuze?

Das erste gut belegte Gipfelkreuz im Ostalpenraum ist das am Großglockner aus dem Jahr 1799. Das war eine mühsame Aktion. Im Sommer wurde das Material in Schnee und Eis hinaufgebracht. Im Auftrag des Fürstbischofs von Gurk.

Wurden sie nur aus religiösen Gründen errichtet?

Es ging auch um wissenschaftliche Aspekte: Man markierte den höchsten Punkt, Wege und Grenzen. Sie dienten als meteorologische Stationen oder Blitzableitungen. Eine kuriose Aufgabe hatten Kreuze in der vorwissenschaftlichen Zeit in der Schweiz...

Warum kurios?

Die Kreuze wurden am Fuße von Gletschern aufgestellt. Sie sollten den Gletscher zurückhalten. Heute wünschen wir uns, die Gletscher würden wieder wachsen.

Seit wann sind Gipfelkreuze so im Trend?

Man schätzt, dass 60 Prozent aller Kreuze erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurden, von Kriegsheimkehrern aus Dankbarkeit fürs Überleben, zur Erinnerung an verstorbene Kameraden und aus Heimatverbundenheit.

Darf jeder einfach ein Kreuz aufstellen?

Grundsätzlich sind die Gemeinden als Grundeigentümer für das Aufstellen und die Pflege der Kreuze zuständig. Die Initiative geht aber durchaus von Einzelpersonen oder Vereinen aus.

Stecken auch Tourismusverbände dahinter?

Seit den 50er-Jahren erkannte man das touristische Potenzial. Heute kann das Material mit Hubschraubern oder Fuhrwerken auf den Berg gebracht werden. Das fördert auch Auswüchse. Es gibt über 15 Meter hohe oder begehbare Kreuze. Das hat dann nichts mehr mit einem einfachen religiösen Symbol zu tun.

Interview: Aglaja Adam

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare