Frührente mit 49 – wegen der Psyche

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Therapeutenkammer: Die Zahl der Betroffenen stieg in einem Jahrzehnt von 25 000 auf 75 000 an Berlin – Arbeitnehmer in Deutschland kommen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen in Frührente.

Die Zahl der Betroffenen stieg innerhalb von zehn Jahren um rund 25 000 auf 75 000 im Jahr 2012, wie die Psychotherapeutenkammer am Dienstag in Berlin unter Berufung auf die Rentenversicherung mitteilte. Im Durchschnitt sind die Menschen dann erst 49 Jahre alt.

„Psychisch kranke Frührentner werden praktisch abgeschrieben“, kritisierte Kammerpräsident Rainer Richter. Dabei könnte vielen Kranken laut Richter geholfen werden – mit besserer Behandlung oder mehr Rehabilitation inklusive Therapien und Trainings. Arbeit sei nicht nur belastend, sondern könne die Betroffenen auch stabilisieren, wenn ihre Leiden angemessen behandelt werden.

Fast jede zweite neue Frührente sei psychisch verursacht. Als Grund zugenommen hätten seit 2001 vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74) sowie Suchterkrankungen (plus 49). Oft geht der Frühverrentung eine längere Leidensgeschichte voraus. So stellen auch die Krankenkassen immer wieder dar, dass die Fehltage wegen Depressionen und anderer seelischer Leiden stark zunähmen. Laut Psychotherapeutenkammer hat sich die Zahl der entsprechenden Fehltage seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt. Nicht selten werde aus einer vorübergehenden Arbeits- eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit.

Richter kritisierte, die Kranken würden häufig unzumutbar zwischen Kranken- und Rentenversicherung hin- und hergeschoben. Wenn ein Gutachter die Reha nicht als erfolgsversprechend bewertet, werde aus dem Reha-Antrag automatisch ein Rentenantrag. Mit der Frührente steigt nach Darstellung der Kammer aber das Armutsrisiko der psychisch Kranken. Denn die Erwerbsminderungsrenten seien seit 2000 stark gefallen – auf zuletzt durchschnittlich rund 600 Euro pro Monat.  dpa

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