BAYERN FÄLLT IN DIE KÄLTESTARRE: IM FREISTAAT HERRSCHEN MINUSGRADE – ABER NICHT ALLE FINDEN DAS SCHLECHT. EIN EISKALTER ÜBERBLICK.

Freude, Frost und Frust bei minus 27 Grad

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Kaltfront über Bayern . Bauern jubeln über Bodenfrost.

Anton Huber ist Referent für Getreide und Ölsaaten beim Bayerischen Bauernverband – und er findet die eisigen Temperaturen spitzenmäßig. „Das kalte Wetter ist gut für den Boden“, sagt er. Denn dann gefriert er und wird so lockerer. Die Landwirte freuen sich auch, dass die Zwischenfrüchte abfrieren. So können sie im Frühjahr gleich mit der Aussaat beginnen und müssen die Zwischenfrüchte, die die Bodengesundheit verbessern, nicht mehr bearbeiten. Noch so ein Vorteil der eisigen Temperaturen aus Sicht der Landwirte. „Auch der eine oder andere Schädling“, sagt Huber, „geht bei diesen Temperaturen kaputt.“ Doch viele sind sehr gut an die kalten Temperaturen angepasst. Zum Beispiel Blattläuse, Milben oder Rapsglanzkäfer. „Die verkriechen sich in Baumritzen und können dort überwintern.“

So macht man das Zuhause frostsicher

Nicht nur für Menschen, auch für Gebäude ist die Kälte eine Herausforderung. Nach langen Frostperioden steigt die Zahl der Wasserschäden sprunghaft an, das zeigt die Statistik des Instituts für Schadensverhütung und Schadensforschung der öffentlichen Versicherer (IFS). Damit keine böse Überraschung droht, sollten Hausbesitzer darauf achten, dass Wasserleitungen im Außenbereich geschlossen sind und noch in der Leitung stehendes Wasser abgelassen ist. Nicht entleerte Außenrohre können im Schadensfall den Versicherungsschutz außer Kraft setzen. Das Gleiche gilt, wenn Innenräume nicht ausreichend beheizt wurden und Rohre bersten. Heizungen sollten derzeit auf keinen Fall ganz abgeschaltet werden – auch nicht, wenn man auf Reisen geht. Fenster und Türen sollten man auf ihre Dichtigkeit prüfen und eventuell einfetten. So verhindert man, dass die Dichtungen porös werden. Eingefettete Türen und Fenster schließen dann weiter wasser- und winddicht.

Zu dünne Eisdecken: Obacht auf den Seen!

Viele Seen und Weiher in Oberbayern sind inzwischen zugefroren – und für viele gibt es ein Betretungsverbot. So für den Kronthaler Weiher im Erdinger Naherholungsgebiet oder die Seen im Landkreis München wie Feringasee oder Poschinger Weiher. Auf dem Weßlinger See tummeln sich die Eissportfreunde bereits, am Pilsensee (beide Kreis Starnberg) warnt die Wasserwacht dagegen vor dem Betreten. Das Gleiche Bild im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Auch hier sind die Eisdecken laut Wasserwacht noch nicht trittsicher. Im Kreis Freising sind die Eisdecken im Schnitt erst rund zwei Zentimeter dick – zu wenig, um die Seen und Weiher gefahrenfrei zu betreten. Acht bis zehn Zentimeter Eisdicke brauche es – und die werden erst nach etwa einer Woche mit durchgehend zweistelligen Minusgraden erreicht.

Kalte Kuriosität aus Österreich

Angesichts der Kälte erlaubt Österreich Ausnahmen vom Verhüllungsverbot. „Bei diesen Temperaturen wird kein Polizist jemanden belangen, der sein Gesicht zum Schutz vor Kälte verhüllt“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Wien am Montag. Seit dem 1. Oktober 2017 muss eigentlich jeder sein Gesicht von der Stirn bis zum Kinn zeigen. Das zielte unter anderem auf islamische Frauen, die Burka oder Nikab tragen. Das Gesetz habe aber Ausnahmen wie eisige Temperaturen vorgesehen, hieß es weiter. Ein konkreter Wert sei nicht angegeben. „Da ist das Fingerspitzengefühl der Beamten gefragt.“

Die Aussichten: Bayern taut auf

Die gute Nachricht vorweg: „Wir haben den Höhepunkt erreicht“, sagt Meteorologe Guido Wolz. „Kälter geht’s eigentlich nicht mehr zu dieser Jahreszeit.“ Wolz leitet die Regionale Wetterberatung München des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und hat die eisigen Temperaturen dieser Tage im Blick: „Schuld an der Kälte ist arktische Festlandluft, die durch eine kräftige Strömung auf direktem Weg zu uns gekommen ist“, erklärt er. Mittwoch und Donnerstag werde es noch einmal strengen Frost mit erwarteten Tiefstwerten bis minus 17 Grad geben, „stellenweise können es aber auch minus 20 Grad werden“. Ab Freitag stellt sich dann die Großwetterlage wieder um, sagt Wolz. Tagsüber gebe es dann schon wieder etwa 5 Grad, Tendenz übers Wochenende steigend, dazu kommen allerdings leichte Niederschläge. „Ob das Schnee wird oder Eisregen, können wir jetzt noch nicht sagen.“ Was Wolz aber sagen kann: Während andernorts in Deutschland die Temperaturrekorde fallen, wird Oberbayern diesmal keine neuen Minusrekorde erreichen. S. Sessler und K. Brack

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