„Diesen Tag werde ich nie vergessen!“

Fürstin Gloria war beim Drama hautnah dabei: Vor 30 Jahren starb Franz Josef Strauß

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Franz Josef Strauß.

Vor 30 Jahren starb Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis erinnert sich.

München - Er war ein leidenschaftlicher Jäger: In der Politik wie auch in der freien Natur. Seit Tagen hatte sich Franz Josef Strauß daher schon auf den Ausflug aufs Jagdgut seines Freundes Fürst Johannes von Thurn und Taxis gefreut. Als der Helikopter des Ministerpräsidenten dort am 1. Oktober 1988 landet, warten der Adlige und Gattin Gloria schon. Doch die Fürstin merkt schnell: Hier stimmt was nicht! „Er war bleich“, erinnert sich die Regensburgerin nun in einem Gespräch mit der Passauer Neuen Presse. „Man merkte, es geht ihm nicht gut.“ Als Strauß zu seiner Hütte geführt wird, passiert es: Plötzlich bricht er zusammen!

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Die traurigen Ereignisse vor 30 Jahren – noch heute fällt es Fürstin Gloria nicht leicht, über das Erlebte zu sprechen: „Das war alles wie in einem Film mit schlechtem Ausgang“, erzählt sie in dem PNP-Gespräch. „Es war die Zeit der Hirschbrunft“, erinnert sich die 58-Jährige. „Strauß war ein begeisterter Jäger und war von meinem Mann eingeladen, einen kapitalen Hirsch zu schießen.“ Seine Waffe trug der mächtige Politiker schon bei sich, als er den Gastgebern entgegenging.

Strauß als Jäger.

Sicherheitskräfte leisten Erste Hilfe

Als er zusammenbricht, eilen sofort die Sicherheitskräfte heran, leisten Erste Hilfe. Strauß muss sich immer wieder übergeben. Es ist das Herz. Jetzt zählt jede Sekunde, aber Fürstin Gloria ist heute noch entsetzt, wenn sie daran denkt, wie lange es dauerte , bis endlich ein Notarzt den Ministerpräsidenten versorgte. „Es dauerte Ewigkeiten, bis der kam.“ Gut eine halbe Stunde stehen die Ersthelfer und Freunde hilflos um den Kranken herum.

Zehntausende säumen am 07. Oktober 1988 die Ludwigstraße in München, als der Sarg mit den sterblichen Überresten des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß auf einer von sechs Pferden gezogenen Lafette an der Feldherrenhalle und der Theatinerkirche vorbei zum Siegestor gefahren wird.

Dann wird er endlich ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gebracht. Wegen „akuter Kreislaufbeschwerden; vermutlich ausgelöst durch Herzrhythmusstörungen“, wird dort in den Unterlagen vermerkt. Teils versorgen übrigens sechs Spezial-Ärzte den Patienten gleichzeitig. Kein Vorteil, wie Fürstin Gloria anmerkt: „Wenn man berühmt ist, ist man medizinisch nicht besser dran, denn die Ärzte meinen es besonders gut.“ Die Überbetreuung sei nicht immer optimal.

Der Zustand von Franz Josef Strauß verschlechtert sich am nächsten Tag rapide. Am 3. Oktober verstirbt er – an einem Herz-Kreislauf-Versagen, wie die Mediziner mitteilen. Ein unglaublicher Verlust für Fürstin Gloria. „Eine eigene Meinung zu haben, anstatt stromlinienförmig zu sein: das habe ich von Strauß gelernt.“

Das war Franz Josef Strauß

Franz Josef Strauß gilt als Urgestein der CSU. Geboren wurde er 1915 in München. Schnell war ihm klar, dass er Politiker werden wollte. Schon im Jahre 1953 wird er Bundesminister für besondere Aufgaben, dann Bundesminister für Atomfragen (1955–1956), daraufhin Bundesminister der Verteidigung (1956–1962) und Bundesminister der Finanzen (1966–1969). Von 1978 bis 1988 war er Bayerischer Ministerpräsident. Im Jahre 1980 musste er seine größte politische Niederlage einstecken: Er scheiterte bei der Bundestagswahl 1980 als Kanzlerkandidat gegen den amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Franz Josef Strauß wurde in Rott am Inn beerdigt.

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