NEUES ZIEL DER SCHLEPPER

Fluchtpunkt Spanien

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In Zeiten der Migrationskrise sind Gesten der Humanität riskant.

Denn sie werden von der Schleuser-Industrie blitzschnell beantwortet: Seit Italiens Rechtspopulisten die Seehäfen des Landes für afrikanischer Zuwanderer geschlossen haben und die neue sozialistische Minderheitsregierung Spaniens sich ersatzweise zur Aufnahme geretteter „Boatpeople“ bereit erklärt hat, verdienen Menschenschlepper viel Geld, indem sie Flüchtlinge an die Küsten Andalusiens schaffen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit sind das westliche Mittelmeer und die Straße von Gibraltar zur wichtigsten europäischen Flüchtlings-Drehscheibe geworden. Für Madrid ist die Lage dramatisch. Das zeigt auch der Angriff von 800 mit Branntkalk und selbst gebauten Flammenwerfern bewaffneten Migranten auf den Grenzzaun der in Marokko gelegenen spanischen Exklave Ceuta.

Die brutale Entschlossenheit, mit der Italien sein Immigrations-Problem nach Spanien exportiert hat, klingt wie römisches Hohngelächter auf Merkels Appell, keine einseitigen nationalen Maßnahmen zu Lasten Dritter zu ergreifen. Doch richtig bleibt: Die Zuwanderungskrise ist nur europäisch zu bewältigen. Beachtung verdient deshalb der Vorschlag von Gerald Knaus, dem Erfinder des Türkei-Deals, in Spanien geschlossene Aufnahmezentren mit Asyl-Schnellverfahren zu errichten. Flüchtlinge, deren Antrag stattgegeben wird, sollten danach auf eine Koalition williger europäischer Aufnahmeländer verteilt, alle anderen umgehend nach Afrika zurückgeschickt werden – vorausgesetzt es gelingt, die Regierungen der Heimatländer für einen solchen Deal zu gewinnen.

Nach wie vor, auch damit hat Knaus Recht, gibt es in Europa die Bereitschaft der Bürger, wirklich Verfolgte aufzunehmen. Nur darf dieses nicht durch die Hintertüre in ein Bleiberecht für alle verwandelt werden, die es irgendwie, und sei es mit Gewalt, auf europäischen Boden geschafft haben. Die andere Frage ist, ob Spanien auf Dauer bereit ist, sich im bösen europäischen Migrationsspiel den schwarzen Peter zustecken zu lassen.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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