PUTINS KALTER KRIEG, TRUMPS HANDELSKRIEG

Die falsche Antwort

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Als Putin dem Westen am Donnerstag zum nun schon zweiten Mal den Kalten Krieg erklärte, hätte Donald Trump, wenigstens für einen Moment, zum Staatsmann werden können.

Er hätte die Einheit der von den autoritären Regimen Russlands und Chinas herausgeforderten Wertegemeinschaft der Demokratien beschwören können. Das tat er aber nicht. Stattdessen hat er allen, auch den Europäern, noch am selben Tag den Handelskrieg erklärt. Er, der in allen Belangen überforderte Chef des mächtigsten Landes der Welt, hat in einem schicksalhaften Moment schon wieder die falsche Antwort gegeben.

Die Börsen mit ihrem feinen Sensorium für tektonische Verschiebungen haben auf die Kampfansagen der starken Männer in Moskau und Washington als Erste reagiert, mit einem scharfen Kursrutsch. Angela Merkel wird als Anführerin der Nation, die mehr als jede andere vom freien Handel profitiert, aber nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch die Friedensdividende in vollen Zügen genossen hat, zu reagieren haben. Und zwar auf doppelte Weise: Sie muss Trumps unverschämte und egoistische Attacke zurückweisen, nicht nur mit Worten, sondern auch mit (europäisch abgestimmten) Gegenmaßnahmen. Und sie muss ihrem zunehmend pazifistisch eingestellten Land, das sich selbst als humanitäre Supermacht vergötzt, klarmachen, dass es Freiheit und Sicherheit auch für eine Gesellschaft mit edelster Gesinnung nicht zum Nulltarif gibt.

Es ist absurd, wenn Linke, Grüne und SPD so tun, als sei schon die Einhaltung des von der Nato geforderten Zwei-Prozent-Ziels für Verteidigungsaufwendungen ein verabscheuungswürdiger Akt der Kriegstreiberei. Eine Bundeswehr, deren Panzer nicht rollen und deren Jets nicht fliegen können und die lieber Debatten über Kasernennamen führt, beeindruckt niemanden, am allerwenigsten den Chef im Kreml. Dem eröffnet die selbst verschuldete Wehrlosigkeit Deutschlands breite Handlungsspielräume für Erpressungen aller Art. Und Amerikas heilige Sicherheitsgarantien für Europa sind unter dem America-first-and-only-Präsidenten Schnee von gestern. Ein erster Fortschritt wäre es ja schon, wenn in Berlin endlich wieder regiert würde.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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