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Evangelisches Aushängeschild geht in Pension

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Margot Käßmann

Hannover – Sie war Frontfrau und Sprachrohr – mit der Pensionierung von Margot Käßmann verliert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine ihre prägnantesten Persönlichkeiten.

Käßmann hat als Predigerin Kirchen und Messehallen gefüllt, mit ihren Büchern ein breites Publikum erreicht und ist mit politischen Positionen angeeckt. Den Mitglieder- und Bedeutungsverlust der Kirche hat sie dennoch nicht stoppen können. Binnen zehn Jahren schrumpfte die Zahl der Protestanten um mehr als drei Millionen, 2016 alleine sank die Zahl der zur EKD gehörenden Protestanten im Vergleich zum Vorjahr um 350 000 auf 21,92 Millionen.

An diesem Samstag wird Käßmann (60) in einem Festgottesdienst in Hannover in den Ruhestand verabschiedet.

„Mit Margot Käßmann verlässt eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Deutschen Protestantismus die öffentliche Bühne“, sagt die Grünen-Fraktionschefin und ehemalige EKD-Synodenvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. „Ihre politischen Stellungnahmen waren in aller Regel geprägt von einem konsequent friedensorientierten Linksprotestantismus, der auch in der Kirche selbst umstritten war.“

Kritik erntete Käßmann insbesondere für ihre Einschätzung: „Nichts ist gut in Afghanistan“. Den als Kritik am Bundeswehreinsatz verstandenen Satz sagte sie kurz nach ihrem Aufstieg zur EKD-Chefin 2009, zehn Jahre hatte sie da bereits als Bischöfin an der Spitze der hannoverschen Landeskirche gestanden. Zuvor war sie im oberhessischen Marburg bereits Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages und Gemeindepfarrerin. Nach ihrem Rückzug aus den Spitzenämtern warb sie als EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017.

„Der große Erfolg von Margot Käßmann beruht darauf, dass sie in ihrer ganzen Präsenz möglichst nah bei den einfachen Menschen ist, die sich mit ihr identifizieren können“, sagt Gerhard Wegner, der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD. Auch ihr Privatleben habe sie nicht verborgen, ob Scheidung, Krebserkrankung, Alkoholfahrt oder Rücktritt von der EKD-Spitze 2010.

„Der wichtigste Impuls Margot Käßmanns war vielleicht das gestärkte Selbstbewusstsein, das sie vielen Frauen innerhalb und außerhalb der Kirche gegeben hat, durch ihr mutiges und mitunter umstrittenes Reden und Handeln“, meint Göring-Eckardt. Dabei ist die evangelische Kirche insbesondere in ihren Leitungsämtern mit der Emanzipation nicht wirklich weitergekommen, auf der mittleren Leitungsebene beträgt der Frauenanteil nur 21 Prozent. Nur eine von 22 Landeskirchen werde von einer Frau geleitet, bemängelte Käßmann kürzlich. Künftig werde die Kirche Karrierehindernisse für Frauen beseitigen, beschloss die EKD in Bonn. michael Evers

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