Erste Austritte aus der AfD

Bittet um Zeit: Frauke Petry auf dem Parteitag. Foto: AFP

Etliche Vertreter des Lucke-Lagers verlassen die Partei – Spekulationen über Neugründung werden lauter. München – Drei Tage nach der Vorsitzendenwahl der AfD ist die Partei tief gespalten – auch in Oberbayern.

Im liberal-konserativen Lager bahnt sich eine Austrittswelle an. Der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel, die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius und der baden-württembergische Vorsitzende Bernd Kömel sind bereits gegangen, ebenso die ehemaligen Vorstandsmitglieder Dagmar Metzger und Patricia Casale. Die Frage ist: Wie viele folgen? Gerade in der Straßburger AfD-Gruppe gibt es Auflösungserscheinungen. Henkel sprach von einem neuen Rechtskurs. „Das ist ganz sicherlich nicht mehr meine Partei“, sagte Trebesius.

An der Basis in Oberbayern herrscht große Unsicherheit, wie es weitergeht. Im Landesverband geht man davon aus, dass der bayerische Vorsitzende André Wächter die AfD verlassen dürfte, falls Bernd Lucke eine neue Partei gründen sollte. Der Kreisvorsitzende in Starnberg, Martin Hebner, hält es dagegen für ein Gerücht, dass Lucke die Partei verlassen wolle – um hinzuzufügen, dass, käme es anders, die AfD wohl darunter zu leiden hätte.

Auch die stellvertretende Vorsitzende aus dem überwiegend Lucke-kritischen Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck, Linda Amon, würde einen Abschied sehr bedauern. „Er hat sich allerdings seit der Gründung der Partei sehr verändert. Seine Ziele von heute sind nicht mehr die von früher“, sagte Amon. Es gehe in erster Linie nicht um Personen, sprich Lucke und Frauke Petry, sondern um die Richtung, welche eingeschlagen werden solle.

Doch welche ist das? Viele halten nun einen Rechtsruck der Partei für möglich. Hans-Olaf Henkel warnt vor einer „NPD im Schafspelz“. Sollte es dazu kommen, hält Martin Hebner in Starnberg Austritte für wahrscheinlich. Weniger eindeutig sieht Mario Buchner, Kreisvorsitzender Oberbayern Süd, die Lage. Es bleibe abzuwarten, wie es jetzt weitergehe. „Der neue Vorstand muss beweisen, dass er die Partei einen kann.“ Buchner sieht auch keinen Rechtsruck, dennoch gebe es, wie in jeder Partei, einen rechten Flügel.

Der beim Parteitag ausgepfiffene Parteigründer Bernd Lucke will jetzt eine Umfrage unter seinen wirtschafts-liberalen Anhängern durchführen. Befragt werden die Unterzeichner seines „Weckruf 2015“. „Die Umgangsformen, die wir bislang nur aus den sozialen Netzwerken gekannt haben, haben wir jetzt in ihrer ganzen Destruktivität auf dem Parteitag selbst erleben müssen“, schrieb Luckes Team auf Facebook.

Die neue Parteichefin Frauke Petry versuchte hingegen, in ihrer Abschlussrede beim Parteitag und später in einer E-Mail an die Mitglieder die Wogen zu glätten. „Geben Sie uns bis Ende des Jahres Zeit, um den Nachweis zu erbringen, dass wir unsere AfD inhaltlich und organisatorisch auf Kurs halten werden“, so Petry. „Bitte lassen Sie sich nicht von den aktuellen Presseberichten irritieren, die uns einmal mehr ins politische Abseits stellen wollen.“ Der Vorstand kommt am Freitag in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.  pmh/dpa

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