Ernüchterung

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Grünen-Abstimmung zur Europawahl Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben.

Diese leidvolle Erfahrung mancher Erfinder mussten nun die Grünen auf politischem Feld machen. Ihr Versuch – ähnlich dem nationalen Beispiel der SPD-Mitgliederbefragung zur Großen Koalition –, Europas Bürger online über ihre beiden Spitzenkandidaten für die Europawahl im Mai mitbestimmen zu lassen, endete in großer Ernüchterung. Nach Parteiangaben beteiligten sich lediglich 23 000 Menschen zwischen Polen und Portugal, Finnland und Sizilien an der Personalvorentscheidung; erwartet hatte man eine sechsstellige Zahl an Stimmen.

So erfolgreich man in Sachfragen via Internet bereits europaweit erfolgreich gegen Brüssel mobil machen konnte – für einen echten Europa-Wahlkampf der Parteien jenseits nationaler Rahmen scheint es zu früh. Europa ist noch nicht so weit. Das liegt vor allem am Fehlen einer europäischen Öffentlichkeit, die sich in der babylonischen Sprachenvielfalt des Kontinents nicht so einfach herstellen lässt – noch redet man mehr über- als miteinander. Städtepartnerschaften, EU-weites Studium, transnationale Medien wie Arte, Internet-Übertragungen aus dem Europäischen Parlament – das alles sind zwar Wurzeln eines künftigen Europa-Bewusstseins. Doch dieses zarte Pflänzlein braucht noch Zeit zum Wachsen.

Alexander Weber

Sie erreichen den Autor unter

Alexander.Weber@ovb.net

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare