Erfahrungen der „Soko Asyl“

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Polizist schreibt Buch . Kriminelle Flüchtlinge: Kripo-Chef will realistisches Lagebild zeigen.

Braunschweig – Seit der Silvesternacht stehen Flüchtlinge bei vielen unter Generalverdacht. In Braunschweig kümmert sich eine eigene Soko Asyl um straffällige Asylbewerber. Kripo-Chef Ulf Küch ist Erfinder des Pilotprojekts und hat ein Buch darüber geschrieben. Die für ihn überraschenste Erkenntnis aus einem halben Jahr Sonderkommando: Die Flüchtlingssituation ist polizeilich nicht dramatisch. Obwohl 2015 in Braunschweig 40 000 Menschen ankamen, stieg die Zahl der Straftaten in der 250 000-Einwohner-Stadt um 300 – weniger als ein Prozent. „Das ist wohl nicht der Untergang des Abendlandes.“

Gleichzeitig müsse der Staat gegen straffällige Asylbewerber entschieden vorgehen, was die Soko Asyl seit August tut. Ergebnis: „Es ist definitiv ruhiger geworden“, schreibt der Kripo-Chef. „Es spricht sich herum, dass man selbst wegen eines einfachen Ladendiebstahls verurteilt werden kann.“ Bei den kriminellen Einzeltätern handele es sich meist um Nordafrikaner. Flüchtlinge aus dem Kaukasus gingen organisierter vor. „Die gehen los und klauen 2000 Rasierklingen, die anschließend an den Auftraggeber verschickt werden.“ Meist harmlos seien dagegen Iraker und Syrer. Im Licht dieser Erkenntnisse warnt Küch davor, das Pauschalargument des „kriminellen Flüchtlings“ als Politikum zu missbrauchen. „Das ist vollkommener Unsinn“, sagte er gestern der tz. „Meine Frau kommt aus Bayern. Wenn die in Braunschweig ein Auto aufbricht, dann würde doch auch keiner sagen: Ah, die Bayern mal wieder.“ Auch die Silvesternacht macht Küch zum Thema. Seine These: „Die Vorfälle von Köln haben mit der Flüchtlingsfrage überhaupt nichts zu tun.“ Die Täter lebten schon seit Jahren in Deutschland. Da zeigten sich die politischen Fehler der vergangenen Jahre. Fehler, die sich in Braunschweig vielleicht vermeiden lassen.

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