Entschuldigung bei Homosexuellen?

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So sieht eine fliegende Pressekonferenz aus: Auf dem Rückflug aus Armenien spricht Papst Franziskus im Flugzeug fast eine Stunde lang vor mitreisenden Journalisten über verschiedene Themen. foto: reuters

Am Ende war eines klar: Homosexuelle verdienen in den Augen des Papstes eine Entschuldigung. Unklar blieb allerdings, von wem genau das kommen sollte. Und auch in anderen Fragen zu diesem Thema lässt sich Franziskus nicht festnageln.

Papst lässt Fragen offen 

Am Ende war eines klar: Homosexuelle verdienen in den Augen des Papstes eine Entschuldigung. Unklar blieb allerdings, von wem genau das kommen sollte. Und auch in anderen Fragen zu diesem Thema lässt sich Franziskus nicht festnageln.

von Julius Müller-Meinigen

Rom – Die fliegenden Pressekonferenzen sind ein Fixpunkt der Evangelisierung von Papst Franziskus, auch wenn sie nicht immer zur Klarheit der Verkündigung beitragen. Auch auf dem Rückweg seines Pastoralbesuchs in Armenien, bei dem er den Völkermord an den Armeniern verurteilt hatte, stellte sich Franziskus eine knappe Stunde lang den Fragen der mitgereisten Journalisten zu so unterschiedlichen und komplizierten Themen wie dem Brexit oder dem Reformationsjubiläum im Herbst.

Gefragt wurde Franziskus auch, was er über die Äußerungen von Kardinal Reinhard Marx denke, den Münchner Erzbischof und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz. Marx hatte nach dem Massakers in einem Homosexuellen-Club in Orlando gefordert, die Kirche müsse sich dafür entschuldigen, dass sie Homosexuelle in der Vergangenheit an den Rand gedrängt habe.

Franziskus antwortete in seiner eigenen Dialektik. Nicht die Kirche, die heilig sei, sondern die Christen müssten sich bei den Homosexuellen entschuldigen, aber nicht nur bei diesen. „Auch bei den Armen, bei ausgebeuteten Frauen und Kindern sowie dafür, viele Waffen gesegnet und viele Familien nicht begleitet zu haben“, fügte er hinzu. Von der Entschuldigung blieb weniger als gedacht.

Oder war es doch mehr? Franziskus lässt sich nicht festnageln. Zum Thema sagte Franziskus außerdem, er halte sich an den Katechismus, demzufolge Homosexuelle nicht diskriminiert, sondern respektiert und seelsorglich begleitet werden müssten. Man könne „diese Personen“ hingegen verurteilen für „politisches Verhalten, für gewisse Demonstrationen, die für andere eine Zumutung sind“. Gemeint waren, wenn man den Papst richtig verstanden hat, Veranstaltungen wie Gay-Prides. „Aber das hat gar nichts damit zu tun“, fügte Franziskus enigmatisch hinzu, um abschließend wieder einmal seinen berühmtesten Satz zum Besten zu geben: „Wer bin ich, dass ich urteile?“

LGBT-Organisationen, die für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen einstehen, hatten sich bereits in der Vergangenheit von Franziskus distanziert. Er hatte als Papst die „Gender-Ideologie“ gegeißelt und als Erzbischof von Buenos Aires die Homo-Ehe als „Versuch des Vaters der Lügen, die Kinder Gottes zu verwirren und zu täuschen“ bezeichnet. Immer wieder kam Franziskus aber auch mit homo- und transsexuellen Gläubigen zusammen.

Ironischerweise ging jetzt in aller Stille eine Affäre zu Ende, bei der es ebenfalls um die Haltung des Papstes dazu ging. Franziskus empfing am Donnerstag Philippe Zeller zum Antrittsbesuch, den neuen französischen Botschafter am Heiligen Stuhl. Nach Vorstellung der französischen Regierung hätte diesen Posten Laurent Stefanini übernehmen sollen, dessen Akkreditierung der Vatikan seit Januar 2015 aber blockierte. Stefanini ist bekennender Homosexueller. Aus dem Umfeld des Papstes verlautete damals, die sexuelle Orientierung spiele keine Rolle bei der Verweigerung.

Franziskus empfing Stefanini im April 2015 zu einer Privataudienz im Vatikan, erklärte ihm seine Ablehnung, die in der provokanten Haltung des französischen Präsidenten François Hollande begründet liege und betete gemeinsam mit dem Betroffenen, einem praktizierenden Katholiken. Die Regierung hätte den Papst zunächst mit der forcierten Legalisierung der „Homo-Ehe“ verärgert und ihm mit der Nominierung eines Homosexuellen „die Pistole auf die Brust gesetzt“. Das politisch-ideologische Kräftemessen endete, als Stefanini im April 2016 als ständiger Vertreter Frankreichs bei der Unesco in Paris nominiert wurde.

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