Das Ende des „übereifrigen“ Chefaufklärers

Georg Thomasollte die Skandale der Deutsche Bank aufklären.
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Georg Thomasollte die Skandale der Deutsche Bank aufklären.

im Fokus . Frankfurt – Es war eigentlich eine gute Woche für die Deutsche Bank.

Erst der lupenreine Freispruch vor dem Münchner Landgericht für Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Vorstände, dann ein überraschender Gewinn im ersten Quartal. Doch wieder einmal überschatten interne Querelen die zarte Aufbruchstimmung: Der Chefaufklärer des Aufsichtsrats, Georg Thoma, schmeißt hin. Und der in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale verwickelte deutsche Branchenprimus steht wieder einmal in schlechtem Licht da.

Thoma war erst 2013 von Aufsichtsratschef Paul Achleitner in das Kontrollgremium gelockt worden. Der renommierte Wirtschaftsanwalt sollte die teuren Verfehlungen der Bank aufarbeiten und den Kulturwandel vorantreiben. Dieser Aufgabe widmete sich der in der Öffentlichkeit kaum bekannte Thoma mit großem Eifer.

Offenbar nahm er es zu genau – so zumindest verlautet es aus der Bank. Mitarbeiter, Manager, Aufsichtsratskollegen hätten sich zunehmend beschwert, dass Thoma Prozesse, die schon x-Mal durchleuchtet worden seien, erneut kritisch unter die Lupe nahm.

Einige Aufsichtsräte wandten sich am vergangenen Wochenende an die Öffentlichkeit – ein ziemlich einmaliger Vorgang, handeln Aufsichtsräte doch im Allgemeinen eher hinter verschlossenen Türen. Thoma habe einfach überzogen, als er immer breitere Untersuchungen gefordert habe und immer mehr Anwälte aufmarschieren ließ, sagte etwa Konzernbetriebsratschef Alfred Herling, der Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, der „FAZ“. Die Diktion: Thoma lähme den Aufbruch der Bank in eine bessere Zukunft. Schließlich sei ja inzwischen auch im Grunde die komplette Führungsebene ausgetauscht. Neben dem umstrittenen Co-Chef Anshu Jain mussten 2015 zahlreiche Top-Manager gehen, die jahrelang die Geschicke der Bank leiteten. Der Brite John Cryan trat im Sommer als Sanierer an und krempelt die Bank seither kräftig um. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin lobte den Kurswechsel.

Nach Thomas Abtritt steht die Bank beschädigt da. Muss da einer gehen, der endlich richtig aufklären wollte? Diesen Eindruck will die Bank vermeiden. In der Mitteilung zur Personalie Thoma betonen Aufsichtsratschef Achleitner als auch sein Stellvertreter Herling, am Aufklärungswillen ändere sich nichts.

Für Zündstoff bei der Hauptversammlung am 19. Mai ist jedenfalls gesorgt. Klärungsbedarf meldete via „Handelsblatt“ bereits die Aktionärsvertretung Hermes an. „Die öffentlichen Meinungsäußerungen verschiedener Aufsichtsräte sind höchst ungewöhnlich, schaden aus der Sicht von Investoren der Deutschen Bank und verstoßen potenziell gegen Verschwiegenheitspflichten“, sagte Hermes-Co-Chef Hans-Christoph Hirt. Sein Wort hat Gewicht.

Erik Nebel / Jörn Bender

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