DIE CSU UND ROT-ROT-GRÜN

Emotionen umleiten

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Jessas! Ein „Bollwerk gegen die Linksfront“ will Horst Seehofer mit seiner CSU sein.

Das klingt so martialisch, als würden die roten Horden in Berlin schon mit gereckter Faust aufmarschieren. Dabei gab’s nur ein Kaffeekränzchen einiger Hinterbänkler von SPD, Grünen und Linken, bei dem Genosse Gabriel kurz und stumm vorbeischaute. Und die rechnerische Option einer linken Mehrheit im Bundestag ist auch nicht neu, sie besteht seit 2013, ohne dass sie angesichts (zum Glück) massiver politischer Differenzen je realistisch gewesen wäre.

Warum also die wuchtige Wortwahl? Seehofer denkt wohl mehr an die irritierten eigenen Anhänger. Vielleicht fürchten die sich ja bisher gar nicht im angemessenen Ausmaß vor der „Linksfront“? Die Aussicht, dass ein solches Bündnis den beliebten und kompetenten Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten machen würde und Angela Merkel zur Ruheständlerin, versetzt nicht jeden CSUler in Angst und Schrecken. Seehofer will also Emotionen schüren – oder, korrekter gesagt, die Emotionen umleiten von den Unions-internen Spannungen auf ein klares Links/Rechts-Feindbild.

Das ist durchschaubar. Falsch ist es trotzdem nicht. Eine stärker polarisierte Parteienlandschaft ist kein Unglück. Im Gegenteil: Das ist ein Weg, um den in einer imaginären Mitte kauernden Volksparteien – vor allem CDU und SPD – endlich wieder ein Profil zu geben.

Christian Deutschländer

Sie erreichen den Autor unter

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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