MERKEL: „GRÖßTER RESPEKT FÜR EHRENAMTLICHE“

Einfach mal hinfahren!

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Auf der nach oben offenen Richterskala der politischen Dummheit lässt sich die SPD von niemandem übertreffen, schon gar nicht von der Kanzlerin.

„Ausländerhass sogar bei den Ärmsten“ hat der gesundheitspolitische Sprecher der Genossen, Professor Karl Lauterbach, im Fall der Essener Tafel per Twitter diagnostiziert. Vielleicht hätte er sich vor seiner eiligen Ferndiagnose ja mal vor Ort erkundigen können, was die Essener Tafel zu ihrem vorübergehenden Aufnahmestopp für Ausländer bewog. Möglicherweise hätte er dann erfahren, dass der Grund, warum Omas und alleinerziehende Mütter die Tafel neuerdings meiden, derselbe ist, warum die Wähler im Ruhrgebiet der SPD in Scharen den Rücken kehren: Es ist (auch) die Angst vor Verdrängung durch Migranten, vor Abstieg und Verlust ihrer Würde.

Wenigstens geringfügig schlauer hat es die Kanzlerin angestellt. Sie ließ ihrer ersten ungnädigen Kritik an der Tafel-Entscheidung gestern die hastige Beteuerung folgen, sie habe „größten Respekt vor den Ehrenamtlichen“ und ihrer Arbeit. Nicht mal zum Megathema dieser Tage, den gerichtlich erlaubten Diesel-Fahrverboten, musste sich die Kanzlerin so wiederholt und nachdrücklich in die Debatte einschalten. Das zeigt: Nach Silvester in Köln und dem Berliner Breitscheidplatz hat die Republik mit Essen nun ihr drittes Symbol für die Probleme von Migration und Integration, die sich in der Wahrnehmung der Menschen mit der Politik der Kanzlerin verbinden. Nur geht es diesmal nicht um Sicherheit, sondern um Konkurrenz und Verteilung. Hatte nicht die Kanzlerin erst auf dem Parteitag am Montag gelobt, von jetzt an die „richtigen Antworten auf die Sorgen und Unzufriedenheiten“ der Bürger zu geben?

Stattdessen ist im Raumschiff Berlin die Überraschung mal wieder groß über das, was da unten im Volk abgeht. „Es gibt Druck“, wenigstens das hat die Kanzlerin richtig erkannt. Wenn sie’s genauer wissen will, sollte sie auf das Angebot der Essener Tafel eingehen und mal dort anrufen. Oder noch besser: einfach mal hinfahren!

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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