KAMPFFLUGZEUG FÜR EUROPA?

Eine einmalige Wahl

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Müssen Deutschland und Frankreich eine zwei-, vielleicht eine dreistellige Milliardensumme für ein neues gemeinsames Kampflugzeug ausgeben?

Sie müssen nicht. Sie können Flieger auch bei Freunden in den USA kaufen. Doch wer dafür plädiert, sollte sich auch der Folgen bewusst sein: Europa würde seine Verteidigung auf einer Technik aufbauen, zu der europäische Experten keinen Zugang bekommen. Man darf das Flugzeug fliegen, aber nicht reparieren, weil die Technik US-Staatsgeheimnis ist. Und beherrschen wird man das Hightech-Importgerät nie.

Wer sich an die Balkan-Einsätze vor gut zwei Jahrzehnten erinnert, weiß, dass die deutsch-amerikanische Militär-Freundschaft nie eine auf Augenhöhe war. Die Soldaten der Bundeswehr hingen an der kurzen Leine der Amerikaner, die sich sehr genau überlegten, welche ihrer Geheimnisse sie mit den Partnern teilten. Alles Entscheidende behielten sie lieber für sich. Es ist kein Wunder, dass damals in Deutschland der Wunsch nach größerer Eigenständigkeit beflügelt wurde.

Es hatte vorher schon viele Jahrzehnte gedauert, bis aus der Lizenzfertigung des amerikanischen Starfighters ab 1960 in Deutschland eine leistungsfähige militärische Luftfahrtindustrie gewachsen war. Die Expertenteams, die den Tornado und den Eurofighter entwickeln konnten und die heute diese Flugzeuge bauen oder erhalten, würden ohne Folgeaufträge auseinandergerissen. Ihre Fähigkeiten wären damit verloren. Die Wahl zwischen selber machen und kaufen kann nur einmal getroffen werden. Eine Entscheidung für eine Kauflösung kann später nicht mehr korrigiert werden. Denn der militärische Flugzeugbau in Deutschland – und mit ihm tausende hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitsplätze – wären mit ihr für alle Zeiten verloren.

Martin Prem

Sie erreichen den Autor unter

Martin.Prem@ovb.net

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