GRÜNEN-POLITIKER JANECEK IST GEGEN DIGITALE AUFRÜSTUNG – DATENLECK KÖNNTE MENSCHEN „KONKRET SCHADEN ZUFÜGEN“

„Eine Art Cyber-Krieg wäre nicht zu gewinnen“

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Dieter Janecek

Der Münchner Abgeordnete Dieter Janecek (Grüne) ist Mitglied im Digitalausschuss des Bundestags.

-Herr Janecek, wann haben Sie von der neuen Cyberattacke erfahren?

Auch wir Abgeordnete haben davon aus den Medien erfahren. Das war auch schon beim Hacker-Angriff auf den Bundestag im Jahr 2016 so. Und das ist sehr unbefriedigend.

-Hat Sie die Nachricht wirklich überrascht?

Klar ist: Es gibt im Zeitalter digitaler Vernetzung keine hundertprozentige Sicherheit. Nach dem Angriff 2015 auf den Bundestag wurde uns gesagt, die Server der Regierung seien sehr viel sicherer. Nun zeigt sich: Wenn kriminelle Organisationen sich vornehmen, sich in sensible Datenbestände einzuhacken, dann ist das möglich. Die entscheidende Frage ist in diesem Fall, wie weit sie gekommen sind. Wenn sie diesmal tatsächlich in die inneren Netzwerke eindringen konnten, hätte der Vorfall eine ganz neue Qualität. Ich gehe aber davon aus, dass die sensibelsten Daten nicht betroffen sind. Denn die sind in speziellen Netzwerken noch einmal zusätzlich abgeschottet.

-Wenn doch: Wie groß könnte der entstandene Schaden sein?

Dabei geht es ja nicht nur um mögliche wirtschaftliche Nachteile. Bei der Vermittlung im Ukraine-Konflikt hat die Bundesregierung eine Rolle gespielt. Darüber gibt es Daten. Oder denken Sie an Informationen über den Austausch mit Menschenrechtsgruppen, zum Beispiel in Saudi-Arabien. So ein Datenleck könnte Menschen ganz konkret Schaden zufügen.

-Es steht im Raum, der Angriff sei von Russland ausgegangen.

Es ist sehr schwierig, solche Angriffe jemandem zuzuordnen, da man sie sehr gut vernebeln kann. Das Innenministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik werden dem Digitalausschuss auch dazu Bericht erstatten. Wenn tatsächlich die Einordnung zutreffen sollte, dass die Attacke von staatlicher Ebene beauftragt wurde, würde das sicher nicht zur Entspannung des ohnehin belasteten Verhältnisses zu Russland beitragen.

-Müsste Deutschland dann zurückschlagen?

Die Vorstellung, wir sollten uns jetzt in eine Art Cyber-Krieg hineinreden, halte ich für ziemlich abwegig. Ich glaube, wenn wir im Stile einer IT-Bundeswehr sozusagen digital aufrüsten würden, könnten wir das irgendwann nicht mehr kontrollieren. Denn jeder neue Trojaner, den wir selbst schaffen würden, würde irgendwann wieder gegen uns eingesetzt. So eine Auseinandersetzung wäre einfach nicht zu gewinnen, das zeigt auch die Vergangenheit. Es geht stattdessen darum, sich auf eine wirksame Sicherheitsstruktur zu verständigen.

-Gab es dabei bisher Versäumnisse?

Die Bundesregierung hat 2016 ja selbst eingeräumt, dass es Nachholbedarf gab. Augenscheinlich wurde bisher noch nicht genug getan.

-Wird man böswillige Eindringlinge überhaupt jemals gänzlich aufhalten können?

So bitter das ist: Wir werden damit leben müssen, dass es weitere Hacker-Angriffe geben kann. Über die Gefahren müssen wir dringend nachdenken. Wie sichern wir unsere Atomkraftwerke, wie vermeiden wir Blackouts in der vernetzten Energiewelt? Was ist mit dem autonomen Fahren? Kann jemand von außen die Kontrolle über ein Fahrzeug übernehmen und es gegen die Wand fahren? Die Frage wird tatsächlich sein, wie gut wir uns gegen solche Bedrohungen schützen können. Und das geht einerseits durch internationale Vertrauens-Absprachen, durch Verträge. Und andererseits – und darauf kommt es wohl am meisten an – durch eine bessere technische Infrastruktur.

Interview: Sebastian Horsch

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