Eigene Fehler, Fallstricke und Intrigen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Papst Franziskus betet in der Kathedrale von Dublin. Himmlischen Beistand kann er derzeit gut gebrauchen. Foto: dpa

Papst Franziskus steht weiter erheblich unter Druck. Mit einer unglücklichen Äußerung über Homosexuelle hat er sich selbst geschadet – auch wenn er sie zurückziehen ließ. Gleichzeitig versuchen Konservative, ihn zum Rücktritt zu treiben.

Papst Franziskus in Bedrängnis

Rom – Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ begrüßt die Klarstellung des Vatikans zu einer umstrittenen Äußerung von Papst Franziskus über Homosexualität. „Es war richtig und notwendig, dass der Vatikan die Aussagen des Papstes klargestellt hat“, sagte der Sprecher von „Wir sind Kirche“, Christian Weisner, gestern in Dachau. „Franziskus hat sich wie kein anderer Papst vor ihm gegen jede Verurteilung der Homosexualität gewandt.“

Franziskus hatte auf dem Rückflug von seiner Irlandreise den Eltern homosexueller Kinder dazu geraten, zu beten und eventuell psychiatrische Hilfe für den Nachwuchs zu suchen. Die Presseabteilung des Vatikans stellte später klar, das Katholiken-Oberhaupt sehe gleichgeschlechtliche Liebe nicht als „psychiatrische Krankheit“ an (wir berichteten). Weisner betonte, dieser Vorfall zeige, „wie wichtig noch ein Umdenken in der katholischen Sexuallehre und auf allen Ebenen der Kirche ist, damit homosexuelle Menschen und Partnerschaften keine Diskriminierungen mehr erfahren“.

Das Zitat sei geändert worden, „um den Gedankengang des Papstes nicht zu verfälschen“, sagte eine Vatikan-Sprecherin. Mit seiner Äußerung über die Einbeziehung der Psychiatrie habe Franziskus nicht sagen wollen, dass es sich bei Homosexualität um eine Krankheit handele, „sondern dass man vielleicht schauen muss, wie sich die Dinge auf psychologischer Ebene darstellen“. Franziskus hatte den Eltern überdies geraten, „zu beten, nicht zu verurteilen, Gespräche zu führen, zu verstehen, dem Sohn oder der Tochter einen Platz zu geben“.

Ebenfalls auf seinem Rückflug aus Irland war Franziskus von Journalisten auf die Vorwürfe des früheren Vatikan-Botschafters in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, angesprochen worden. Dieser warf dem Papst in einem offenen Brief vor, die Missbrauchsvorwürfe gegen den damaligen US-Kardinal Theodore McCarrick fünf Jahre lang ignoriert und Strafmaßnahmen gegen den Geistlichen aufgehoben zu haben. Im Juli nahm Franziskus ein Rücktrittsgesuch des wegen der Missbrauchsvorwürfe suspendierten Geistlichen an.

Obwohl es gegen McCarrick Vorwürfe wegen „stark unmoralischen Verhaltens gegenüber Seminaristen und Priestern“ gegeben habe, habe Franziskus den Geistlichen „bis zum bitteren Ende gedeckt“, erklärte Vigano, der bereits im Ruhestand ist. Als Konsequenz forderte er die Abdankung des Papstes.

„Ich werde dazu kein Wort sagen“, sagte der Papst dazu vor den Journalisten im Flugzeug. „Lesen Sie den Brief aufmerksam und fällen Sie Ihr eigenes Urteil“, fügte er hinzu. „Wenn etwas Zeit vergangen ist und Sie Ihre Schlüsse gezogen haben, werde ich mich vielleicht äußern.“

Seit gestern verdichten sich nun die Anzeichen, dass hinter dem „Memorandum“ von Vigano eine konzertierte Aktion katholischer Blogger in mehreren Ländern steckt. Die Katholische Nachrichten-Agentur berichtet, der Ex-Nuntius habe diese zuvor kontaktiert und als Publikationszeitpunkt den 26. August festgelegt – den Rückflug des Papstes von Irland. Das bestätigte der italienische Journalist Aldo Maria Valli, der selbst zu den konservativen Kritikern von Franziskus zählt. Die Übergabe von Viganos Schreiben sei erst nach drei konspirativen Treffen erfolgt. Der frühere Nuntius in Washington, der nach Insider-Informationen von einer Karriere im Vatikan geträumt hatte, aber von Papst Franziskus in den Ruhestand geschickt worden war, sei nach Veröffentlichung des Memorandums mit unbekanntem Ziel verreist. Auch habe er seine Mobilfunknummer geändert. Pennsylvanias Staatsanwalt Josh Shapiro erklärte gestern, es gebe Beweise, dass der Vatikan über Vertuschung von sexuellem Missbrauch in den USA gewusst habe. Ob der Papst selbst etwas wusste, könne er nicht überprüfen.  kna/afp/cm

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare