Macht der Medien

Donald Trump: Bestimmt ein Fernsehsender mittlerweile die Politik des Weißen Hauses? 

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Der US-Präsident umgarnt die rechten Patrioten: Auf Fox News findet er sein Publikum – und bekommt Input.

Donald Trump schaut am liebsten Fox News. Inzwischen ist der Sender zu seiner persönlichen Propaganda-Maschine geworden. Kritiker warnen vor einem „gefährlichen Einfluss auf den Präsidenten“.

Washington – Donald Trump sieht gerne fern. Glaubt man der „New York Times“, sind es pro Tag zwischen vier und acht Stunden, die er auf große Plasma TV-Schirme im „Oval Office“, seinem Schlafzimmer und sogar im Speisezimmer starrt. Meist beginnt das Fernsehen gegen 5.30 Uhr früh, oft mit dem liberalen Sender CNN, den der US-Präsident aus ganzem Herzen hasst und der sich bestens dazu eignet, Trumps Blutdruck zu erhöhen. Doch schnell landet der mächtigste Zuschauer der Welt auf seinem Lieblingskanal.

Fox News, vor knapp 23 Jahren vom konservativen Medien-Mogul Rupert Murdoch ins Leben gerufen und mittlerweile in 95 Millionen US-Haushalten zu sehen, dominiert nicht nur andere Nachrichtenkanäle. Der Sender ist auch der treueste Verbündete eines in Bedrängnis geratenen Präsidenten – und an unabhängigem Nachrichten-Journalismus ebenso wenig interessiert wie CNN, das seit der Wahl Trumps aus einer Art Todesschlaf erwachte und nun gegen den Wahlsieger polemisiert.

Fox News ist Trumps Propaganda-Maschine

Dass Fox News seit Langem das Prinzip ausgewogener Berichterstattung ad absurdum führt, ließ sich erst kürzlich wieder nachvollziehen. Gerade war Paul Manafort, der frühere Wahlkampf-Manager Trumps, wegen Banken- und Steuerbetrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Ein Zusammenhang zwischen den Russland-Ermittlungen gegen den Trump-Clan bestand in diesem Verfahren nicht – was Fox-News-Moderator Sean Hannity, der bei Trump beliebteste Moderator und wichtigste Alliierte im Sender, sogleich zu dieser Stellungnahme nutzte: Einmal mehr sei erwiesen worden, dass die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller eine „Hexenjagd“ sei. Diesen Begriff nutzt auch der Präsident immer wieder, seit ihm Mueller und seine Staatsanwälte auf den Zahn fühlen. Und Fox News wäre nicht Fox News, würde eine solche Semantik nicht übernommen.

Immer lauter wird in den USA die Frage gestellt, wer eigentlich die politische Agenda im Land bestimmt. Medien wie das Magazin „New Yorker“ sehen Fox News mittlerweile als Propaganda-Maschinerie. Doch beeinflusst Trump die Berichterstattung des konservativen Kanals – oder setzen mittlerweile Fox News und damit Rupert Murdoch die Akzente für die Politik des Weißen Hauses?

Seinen Erfolg und die breite Akzeptanz beim konservativen Wähler verdankt der Kanal in erster Linie einem Mann, der nicht mehr für ihn arbeitet: Roger Ailes, einst Medienberater der Republikaner, leitete Fox News von der Gründerzeit an als Vorstandschef – und kreierte, so sieht es der „New Yorker“, eben jenes Publikum, das maßgeblich an Trumps Wahlerfolg 2016 beteiligt gewesen ist. Ailes musste im Juli 2016 nach Vorwürfen unerwünschter sexueller Avancen gegenüber Untergebenen mit einer 40 Millionen Dollar-Abfindung den Hut nehmen, wurde dann prompt von Trump als Berater eingestellt. Er starb im Mai 2017 nach einem Sturz an einer Gehirnblutung.

Fox News und Donald Trump: ein symbiotisches Verhältnis

An der engen Allianz zwischen Fox News und dem Präsidenten hat der Tod von Ailes nichts geändert. Der New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen beschrieb kürzlich das Verhältnis der beiden Partner sogar so: Es mache keinen Sinn mehr, zu fragen: Wer beeinflusst wen? Die beiden seien längst eins geworden, so Rosen. Und Trump folge regelmäßig dem Kurs, den Fox vorgebe.

Doch nicht alle Fox-News-Mitarbeiter sind bereit, angesichts der Negativschlagzeilen über Trump der Sender-Linie unerschütterlich zu folgen. Einer von den wenigen prominenten internen Widerstandskämpfern ist der Reporter und Moderator Chris Wallace. Das wurde im vergangenen Monat deutlich. Wallace bombardierte den Trump-Berater Stephen Miller, der seit 2016 wichtige Akzente in der Einwanderungspolitik setzt, nach der Notstandserklärung Trumps zum Zwecke der Mauer-Finanzierung mit kritischen Fragen – und mit Widersprüchen in den Behauptungen des Präsidenten. Es war ein für Fox News völlig untypischer Moment. Wankt etwa im Sender die Solidarität?

Unabhängiger Journalismus bleibt bei Fox News die Ausnahme

Wer Fox News tagelang verfolgt, kommt jedoch zu dem Fazit, dass Versuche eines soliden und unabhängigen Journalismus, wie sie Wallace praktizierte, die Ausnahme sind. Dominiert wird Fox News weiter von eisernen Trump-Fans wie Moderator Tucker Carlson, der Justizexpertin und Richterin Jeanine Pirro und Sean Hannity, dem die Zeitung „USA Today“ einen „gefährlichen Einfluss“ auf den Präsidenten bescheinigte. Hannity sei, weil er stets das Ohr Trumps erreiche, die mächtigste Person in den USA geworden – weil Trump sich gar nicht richtig für politische Fragen interessiere, keine Überzeugungen habe und von seinem Ego getrieben werde. Und: Trump lauscht nicht nur täglich Hannity, sondern telefoniert regelmäßig mit ihm.

Hier verschwimmt endgültig die Trennlinie zwischen Politik und Journalismus. Fox News als Stimme ihres Herrn.

Das Bündnis von Fox News und Trump ist auch der wesentliche Grund dafür, dass die US-Demokraten – ein Novum in der US-Mediengeschichte – entschieden haben, keine ihrer Debatten für die US-Präsidentschaft von Fox News veranstalten zu lassen. Das wichtigste Argument der Demokraten: Der Sender sei nicht in der Lage, eine „faire und neutrale Debatte“ für jene zu veranstalten, die Trump eine zweite Amtszeit verwehren wollen.

Friedemann Diedrichs

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