Deutschland, merkelisiert

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„Kanzlerin trägt Mitschuld an Pegida“. Der gefeuerte CSU-Bundesinnenminister Friedrich hatte noch eine Rechnung offen mit seiner Ex-Chefin.

Das ändert nichts daran, dass seine Kritik an der Kanzlerin in der Sache richtig ist: Angela Merkel hat die CDU neu erfunden. Als Mitte-Links-Partei, als moderne SPD, die verliebt ist in Frauenquote, Mindestlohn und Öko-Energie. Was er zu erwähnen vergaß: Die Verzauberung der Union gelang nur, weil die bayerische CSU, die früher für das konservative Profil zuständig war, den Linksschwenk der C-Schwestern, das halsbrecherischste Manöver deutscher Nachkriegspolitik neben Schröders Agenda,willig mitmachte. Als wäre es eine Delikatesse, schluckte CSU-Chef Seehofer sogar die Kröte Doppelpass. Und Franz Josef Strauß rotierte im Grab.

So verzweifelt ist die SPD heute über den von Merkel/Seehofer angezettelten Ähnlichkeitswettbewerb, dass die Genossen jetzt schon wochenlang wählen lassen wollen. Als ob das was hülfe! Die Marginalisierung der SPD ist ein Kollateralschaden der Merkelisierung Deutschlands. Ein weiterer ist das Erstarken neuer Bewegungen wie AfD und Pegida, deren Anhänger von der Union quasi exkommuniziert wurden. Sie fühlen sich einem Gesinnungsdiktat ausgeliefert: Wo Merkel ist, ist der „Mainstream“. Davon abweichendes Denken, Zweifel am Eurorettungskurs oder gar die Artikulation von Überfremdungsängsten, wird nicht geduldet – was den Protest erst richtig anfacht.

Mit dem Zerfall des bürgerlichen Lagers wird, so wie einst die Schröder-SPD, auch die Union einen hohen Preis zahlen müssen für die Wahlpartys der Ära Merkel – spätestens dann, wenn Mutti weg ist und den Verlust des konservativen Markenkerns nicht mehr weglächeln kann. Der Aufstieg der Kanzlerin zum Star der Weltpolitik wird begleitet von einer Verödung der Demokratie zuhause. Die lebt(e) vom leidenschaftlichen Streit und der Alternative. Und nicht von der Narkotisierung der Wähler und Merkels Alternativlosigkeit.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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