„Das Selbstbewusstsein steigt“

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Er hat 100 Prozent, sie lässt sich erst heute wählen: Markus Söder und Ilse Aigner. Foto: dpa

Erster Stimmungstest für Ilse Aigner im Wahljahr: Heute bittet sie die CSU Oberbayern um Amtszeit zwei. Rebellionen sind nicht in Sicht. Trotzdem braucht Aigner mehr als ein gebrummtes „Passt scho“ von ihrer Basis. Sie hat ja noch mehr vor.

Ilse Aigner vor der Wiederwahl

Erster Stimmungstest für Ilse Aigner im Wahljahr: Heute bittet sie die CSU Oberbayern um Amtszeit zwei. Rebellionen sind nicht in Sicht. Trotzdem braucht Aigner mehr als ein gebrummtes „Passt scho“ von ihrer Basis. Sie hat ja noch mehr vor.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

München – Deine Rede, so lehrt die Bibel, sei „Ja, ja“ oder „Nein, nein“. In der CSU gilt die Bergpredigt nicht so streng. Als vor zwei Wochen die Oberpfälzer Bezirksvorsitzende Emilia Müller zur Wiederwahl stand, verweigerten ihr über zwei Dutzend Delegierte das Ja und das Nein, sie gaben als stummen Protest leere Zettel ab. Im offiziellen Ergebnis zählen ungültige Stimmen nicht, die einzige Kandidatin Müller durfte für 95 Prozent danken. Inoffiziell aber weiß sie: Jeder sechste Delegierte rechnete mit ihr unbiblisch ab. Und als das einer der Journalisten im Saal mitbekam, stand es auch noch dick in der Zeitung.

Der Eindruck inszenierter Jubelparteitage trügt also mitunter, wenn in diesen Wochen die CSU reihum ihre zehn Bezirksvorsitzenden wiederwählt. Nirgends wird offen gemeutert kurz vor dem für die CSU entscheidenden Wahl-Herbst. Umso genauer schauen Partei und Medien auf die Ergebnisse. Wer von all den ehrgeizigen Bezirksfürsten hat seine Basis voll hinter sich? Bei wem rumort es im eigenen Laden?

Die obere Messlatte haben fünf Vorsitzende gelegt. An den vergangenen Wochenenden wurden wiedergewählt: der Schwabe Markus Ferber (97 Prozent), die Franken Joachim Herrmann (98) und Hans-Peter Friedrich (99), Niederbayer Manfred Weber (99) und der Nürnberger Markus Söder (100). Am Samstag bittet Ilse Aigner Oberbayern, mit 39 500 Mitgliedern größter Verband, um Amtszeit 2.

Natürlich wird genau geschaut werden, wo sie sich da einordnet (2011 waren es 98,2). Weil auch Aigner Ehrgeiz hat und sich im Herbst jenen Posten gern aussuchen würde, für den sie ihre Berlin-Karriere aufgibt. Wirtschaftsministerin, raunen manche, lieber noch: Fraktionsvorsitzende, jenseits der Kabinettsdisziplin des Fallbeils Seehofer. Genau den Posten will Söder auch, und zwar mit Wucht. Beide sagen nicht mal hintenrum viel Böses übereinander, sind im Volk gleich beliebt, ihr Führungsanspruch wird an dieser Stelle aber kollidieren.

Prozentwurschtelei führt da nicht weit. Zumal Aigners Lage mathematisch heikel ist: Söders 100 Prozent kann sie nicht toppen bei ihren 424 Delegierten. Nur irgendwo in Niederbayern kam es vor Jahren mal zu 102 Prozent, weil die Pressevertreter mitstimmten. Trotzdem wird der Oberbayern-Parteitag ein Signal senden: volle Rückendeckung – oder auch nicht. Aigner wechselt schließlich in eine Fraktion, in der Söder in jeder freien Minute ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut hat, auch Oberbayern sind unter seinen engen Vertrauten. Viele der neuen Landtagskandidaten in ganz Bayern, wohl ein Drittel der Fraktion ist neu, entstammen seinem JU-Jahrgang.

Allerdings hat auch Aigner wundersam neue Freunde gefunden. Zum Parteitag setzt sich Sozialministerin Christine Haderthauer sehr für 95 plus x ein. „Mit einem starken Wahlergebnis werden wir ihr den Rückenwind geben, den sie als unsere Nummer 1 in Oberbayern in diesen wichtigen Wochen vor der Landtagswahl braucht“, sagt Haderthauer. Und, zum Fraktionsvorsitz: „Nach der Wahl werden wir ausloten, wer für einen Führungsstil steht, der auch den Zusammenhalt stärkt.“ Es sei ja „kein Geheimnis, dass etliche Kollegen, nicht nur aus Oberbayern, da immer öfter den Namen Ilse Aigner nennen.“ Die Nummer zwei in der Landespolitik eine Frau – „auch das hätte Charme“.

Auch jenseits der Machtfrage ist der Parteitag ein Stimmungstest. In Oberbayern ging die Wahl 2008 für die CSU verloren, in Oberbayern, wo jeder dritte Wähler lebt, wird sie 2013 gewonnen – fragt sich nur, für wen. Parteichef Seehofer hat den Bezirk besonders im Blick, investiert viel Zeit. Am Mittwoch erst rief er diskret die CSU-Landräte aus Oberbayern zu sich zum Dialog. Grund zur Klage über Aigner hat er indes nicht. Unter ihr wurde der Verband wieder aktiver und lauter, sie ist regional viel präsent. „Das Selbstbewusstsein steigt“, sagt Aigner über ihren Bezirksverband, die Mitgliederzahl seit März sogar auch. „Die CSU Oberbayern“, schmeichelt ihr Seehofer, „ist eine problemfreie Zone.“

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