Der Chef dreht wieder am Lautstärke-Regler

Christian Lindnerist seit 2013 der FDP-Bundesvorsitzende
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Christian Lindnerist seit 2013 der FDP-Bundesvorsitzende

DAS PORTRÄT . Berlin – Für Christian Lindner wird 2016 das alles entscheidende, spannende und schwierige Wahljahr.

Also so wie 2015. Und 2014. Und wahrscheinlich auch die Wahljahre 2017, 2018, 2019. Man kann sagen: Alles wie immer für den jungen Vorsitzenden der außerparlamentarischen FDP, der seine Partei zurück in die Landtage und in den Bundestag führen will.

Bisher wurde ihm Jahr für Jahr attestiert, Fortschritte gemacht zu haben. Im Frühjahr 2015 sah die Welt für die FDP sogar richtig rosig aus. Die Wahlen in Hamburg und Bremen liefen gut für die jungen FDP-Kandidatinnen dort. Namhafte Medien äußerten sich wohlwollend über Lindner. Nach dem Debakel der FDP bei der Bundestagswahl 2013 gehe er unbeirrbar den Weg, die liberale Partei rundzuerneuern.

Hält dieser Aufstieg? Spannend für Lindners Liberale wird heuer der 13. März, wenn Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Landtage wählen. In Stuttgart wollen die Liberalen drinbleiben, in Mainz nach fünf Jahren wieder einziehen. Die Aussichten sind durchwachsen, die FDP pendelt um fünf Prozent. Das kann mit Glück für Schwarz-Gelb reichen, mit Mut für eine Ampel, mit Pech aber auch für gar nichts.

Lindner weiß ja, wie schnell sich Stimmungen drehen können. Im Spätsommer 2015 zum Beispiel zu seinen Ungunsten: Mit der Flüchtlingskrise hatte die bis dato mit ihrer Selbstdemontage ausgelastete AfD plötzlich wieder ein Thema. Sie stieg in Umfragen. Das zwar nicht unbedingt zulasten der Liberalen, aber es brachte sie auch nicht entscheidend voran.

Spannend wird, wie der 36-Jährige die Partei beim Dreikönigstreffen am 6. Januar in Stuttgart aufs Wahljahr einstimmt. Er muss den Grundton vorgeben. Lindner kann laut – ab und zu testet er das, so etwa im November beim Interview mit unserer Zeitung. Glasklar forderte er von der Kanzlerin ein Stoppsignal in der Flüchtlingspolitik ein („Merkel richtet Chaos an“) und beschimpfte die AfD („völkische Politik mit teils charakterlosen Spitzengesellen“). Einen ruhigen, sachorientierten Stil bescheinigt man dem Landtagsabgeordneten dagegen in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen. Dort wird seine Arbeit sogar besser bewertet als die des Oppositionsführers von der CDU.

„Der Spieler“ nannte ihn diese Tage die FAZ, was eher positiv gemeint war: Er setze alles auf die Karte, die FDP wieder in die Parlamente zu bringen, ordne dem Ziel alles unter. Insgesamt macht er also keine schlechte Figur. Das Problem ist nur, dass er derzeit die einzige Figur bei der FDP ist, die überregional punkten kann. An dieser One-Man-Show dürfte sich bis zur Bundestagswahl nicht viel ändern. Die ist 2017. Ach ja – das alles entscheidende, spannende und schwierige Wahljahr, ganz bestimmt.   C. Deutschländer/R. Mayr

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