Chance versäumt
Große Hoffnungen haben die Hebammen wohl nicht in die Schiedsstelle gesetzt, die in ihrem Dauer-Streit mit den Krankenkassen vermitteln sollte.
Doch die Entscheidung ist für sie nun wie ein Schlag ins Gesicht. Sie basiert auf Honorarhochrechnungen – wird dem Alltag auf Geburtsstationen aber kein bisschen gerecht.
Durch die neue Vorschrift können Hebammen ihren Lohn in ruhigen Bereitschaftsstunden nicht mehr ausgleichen mit den Stunden, in denen sie viele Frauen gleichzeitig betreuen. Die erhöhten Honorare können dieses Minus nicht abfangen. Die neue Regelung wird große Folgen haben. Denn sie kommt zu einer Zeit, in der ohnehin schon viele freiberufliche Hebammen überlegen, ihren Beruf aufzugeben, weil er sich einfach nicht mehr rechnet. Und das werden vor allem die Geburtsstationen in den kleinen Krankenhäusern spüren, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen.
35 Kreißsäle in Bayern haben seit 2009 dicht gemacht, weil Geburtshilfe nicht mehr wirtschaftlich ist. Durch die neue Vorschrift wird dieser Trend mindestens anhalten – eher sogar verschärft. Die Schiedsstelle hat die Chance versäumt, gegenzusteuern. Und was noch schlimmer ist: Sie hat die ohnehin schwierigen Arbeitsbedingungen für freiberufliche Hebammen weiter verschlechtert.
Katrin Woitsch
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