Wer kann Kanzler?

CDU-Machtkampf um Angela Merkels Erbe - Jens Spahn und Friedrich Merz lauern auf ihre Chance

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Angela Merkel sieht die Verantwortung für die kommenden Wahlen bei Annegret Kramp-Karrenbauer.

Jens Spahn und Friedrich Merz wittern im Fall desaströser Wahl-Ergebnisse für AKK bei der Europawahl und im Osten ihre Chance auf die Ernennung zum Unions-Kanzlerkandidaten.

Berlin – Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Kampf um den CDU-Vorsitz gewonnen – aber die Frage, wer Unions-Kanzlerkandidat wird, ist damit noch längst nicht entschieden. Im Hintergrund läuft ein Machtkampf, bei dem sich Friedrich Merz und Jens Spahn als Reserve in Stellung bringen, falls die neue CDU-Chefin bei den in diesem Jahr anstehenden Wahlen desaströse Ergebnisse einfahren sollte. Die tz beschreibt die Kampflinien.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Angela Merkel überlässt ihrer Nachfolgerin als CDU-Chefin die große Bühne für den Europawahlkampf. Das Problem dabei: Falls die CDU bei der Wahl am 26. Mai und den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg (am 1. September) und Thüringen (27. Oktober) extrem schlecht abschneidet, dann liegt das in der Verantwortung der neuen CDU-Chefin. Kramp-Karrenbauer ließ Berichte unwidersprochen, dass sie enttäuscht darüber sei, dass Merkel fast gar nicht im anlaufenden Europawahlkampf auftreten möchte (tz berichtete). Die Kanzlerin soll im Parteipräsidium deutlich gemacht haben, dass für sie der Verzicht auf den Parteivorsitz damit einher gehe, dass nun andere für die Partei in der Pflicht stünden. Merkel sei es leid, dass die CDU bei schlechten Umfragewerten auf Distanz zu ihr gehe, bei den gerade wieder guten Beliebtheitswerten aber die Nähe zu ihr suche, hieß es.

Friedrich Merz: Seine politischen Ambitionen hat er trotz der Niederlage im Kampf um den CDU-Vorsitz nicht aufgegeben. Das machte Merz gleich nach Kramp-Karrenbauers Sieg deutlich, als er erklärte, er würde sich ein Ministeramt „aufgrund meiner Erfahrung in Wirtschaft und Politik zutrauen“. Merkel ließ ihn damals kühl abblitzen, indem sie erklären ließ, sie plane keine Kabinettsumbildung. AKK hingegen hat laut Vertrauten einen Deal mit Merz geschlossen: Wenn er sich loyal ihr gegenüber verhalte, dann werde er ein Ministeramt unter einer Kanzlerin Kramp-Karrenbauer bekommen. Bisher hält sich Merz an dieses Versprechen und spricht laut Spiegel selbst im kleinen Kreis nur gut über die Saarländerin – im offensichtlichen Gegensatz zu seinen Dauer-Sticheleien gegen Merkel. Ein Parteiamt hat Merz von AKK auch schon bekommen: Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats – was passen würde zu seinen Ambitionen, den unter Beschuss geratenen Wirtschaftsminister Peter Altmaier zu beerben. Der Shitstorm, mit dem Altmaier derzeit von Medien, aber auch von Unternehmens-Verbänden bombardiert wird, sei durchaus von Merz-Getreuen befeuert, heißt es aus Unions-Kreisen. Doch selbst wenn Altmaier stürzen sollte: Solange Merkel im Amt ist, ist kaum vorstellbar, dass sie ihren Gegner Merz in ihr Kabinett holt. Und wenn AKK es wirklich gelingen sollte, Kanzlerin zu werden, ist offen, ob dann nicht ein Koalitionspartner das Wirtschaftsressort beansprucht. Insofern ist der Deal zwischen AKK und Merz wenig wert – in beide Richtungen: Wenn Kramp-Karrenbauer bei den anstehenden Wahlen scheitern sollte, wird Merz seine Chance auf mehr als ein Ministeramt wieder wittern: Seinen Traum vom Kanzleramt hat der Sauerländer längst nicht begraben.

Jens Spahn: Der 38-Jährige hat noch viel Zeit für seine Kanzler-Ambitionen, schließlich ist er deutlich jünger als die 56-jährige AKK und der 63-jährige Merz. Seine Strategie im Machtkampf ist deshalb defensiver als die seiner Konkurrenten: Er setzt darauf, dass er mit einem Dauer-Feuerwerk an Gesetzesinitiativen und Talkshow-Auftritten allen anderen in der Union die Show stiehlt – und so zur natürlichen Alternative zu AKK aufsteigt, falls deren Kanzler-Ambitionen scheitern sollten. „Mein Ansatz ist, Probleme nicht nur zu besprechen, sondern auch zu lösen“, beschrieb Spahn am Sonntag im ZDF-heute journal sein Politik-Verständnis – was durchaus auch als Bewerbungs-Spruch für höhere Ämter als seinen Gesundheitsminister-Job verstanden werden darf.

Klaus Rimpel

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