„Ruinöser Wettbewerb“ um CDU-Vorsitz

AKK nimmt Merz und Laschet in die Mangel - und warnt vor Retro-Wahlkampf wie in den 80ern

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer verfolgt am 30. September 2020 in der Haushaltswoche im Bundestag die Reden.
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Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beklagt einen „ruinösen“ Wettbewerb um den CDU-Parteivorsitz.
  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Wer wird CDU-Chef? Diese Frage ist immer noch offen. Den nächsten Nackenschlag für Armin Laschet gibt es ausgerechnet mit einer Umfrage in der deutschen Wirtschaft.

Update vom 21. November, 12.13 Uhr: Vernichtendes Urteil für Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen - und zwar ausgerechnet von der Vorgängerin der drei: Die scheidende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Bewerbern um ihre Nachfolge vorgeworfen, mit einem zerstörerischen Wettbewerb der Partei geschadet zu haben.

„Die Partei hat bei dieser Diskussion gespürt, dass aus diesem fairen Rennen ein ruinöser Wettbewerb geworden ist. Und dieser ruinöse Wettbewerb fällt zuallererst auf die Kandidaten selbst zurück, aber auch auf die CDU“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen. „Deshalb habe ich immer davor gewarnt.“

CDU-Vorsitz: AKK mit klarer Forderung an Merz, Laschet und Röttgen bei Niederlage

Im Ringen um die Verschiebung des anstehenden Parteitags hatte vor allem Merz mit Laschet einen offenen Streit ausgefochten, mit teils persönlichen Angriffen. Kramp-Karrenbauer forderte alle drei abermals auf, sich auch bei einer Niederlage in den Dienst der Partei zu stellen. „Das ist die klare Erwartung der Mitglieder. Wir befinden uns im Januar schon im Wahljahr“, sagte sie.

Kramp-Karrenbauer warnte zudem vor einem zu rückwärtsgewandten Wahlkampf: „Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr stark weiterentwickelt. Sie ist heute eine andere Partei als sie das vor 10 oder 20 Jahren war, auch, weil wir heute eine andere Gesellschaft haben.“ Sie müsse „Antworten geben auf die Fragen aus dem Jahr 2021 und nicht auf die aus den 80er Jahren“.

Dann lieber Baerbock oder Scholz? Wirtschaft fällt bitteres Urteil über Laschet - der stichelt los

Erstmeldung vom 20. November: Berlin - Ob es die richtige Entscheidung war, die Kandidaten-Kür ins neue Jahr zu verschieben? Während die letzte SPD-Hoffnung Olaf Scholz ein Dreivierteljahr vor der Bundestagswahl schon mal ihre Skandale abräumt, sucht die CDU weiter nach dem neuen Vorsitzenden. Und nach dem Mann für die Merkel-Nachfolge: Laschet, Merz, Röttgen oder doch Söder, lautet die Frage. Und für einige der Beteiligten bringen die stetig kursierenden Umfragen unangenehme Momente.

Armin Laschet: Kampf um die CDU-Spitze tobt weiter - doch ausgerechnet die Wirtschaft glaubt nicht an NRW-Kronprinzen

So hat die Zeitschrift Wirtschaftswoche nun - nach eigenen Angaben repräsentativ - „Entscheider“ aus der Wirtschaft zu ihrem Bild von führenden Politikern befragen lassen. Das Ergebnis der vom Institut Civey durchgeführten Erhebung dürfte allen voran Armin Laschet nicht schmecken.

Der NRW-Ministerpräsident war bereits neulich bei einem „Triell“ der Jungen Union böse abgestraft worden. Nun scheint sich zu zeigen: Deutschlands Wirtschaftselite zweifelt massiv an der ökonomischen Kompetenz Laschets, allen wirtschaftsfreundlichen Entscheidung zu Beginn der Pandemie zum Trotz.

So erklärten in der Umfrage nur 5,5 Prozent der Teilnehmer, Laschet habe eine „hohe Wirtschaftskompetenz“. Das bedeutete den letzten Platz in einer Auswahl aus sieben Politikern. Noch hinter dem außenpolitisch profilierten Konkurrent Norbert Röttgen* - und Grünen-Chefin Annalena Baerbock, die in der Vergangenheit bei Fragen der Automobilität schon mal ins Schleudern geriet. Baerbock und die Grünen dürften bei ihrem Parteitag am Wochenende unterdessen weiter für ihre Regierungsfähigkeit werben.

Die deutschen „Wirtschaftsentscheider“ trauen Armin Laschet kaum Wirtschaftskompetenz zu - bei Annalena Baerbock sieht es etwas besser aus.

Söder und Scholz schlagen Laschet im Wirtschaftskompetenz-Ranking - Merz ganz vorne

Ein ganzes Stück besser sieht es für ein anderes Trio aus: CSU-Chef Markus Söder* (25,5 Prozent), seinem FDP-Amtskollegen Christian Lindner (24,4) und dem Cum-Ex- und Wirecard-gebeutelten Finanzminister Scholz (22,2) trauten immerhin ein Viertel der Befragten große Kenntnis der Bedürfnisse und Sorgen der Betriebe zu - wobei der geringe Abstand zwischen dem Liberalen Lindner und dem Sozialdemokraten Scholz durchaus bemerkenswert scheint.

Unangefochten an der Spitze steht allerdings Friedrich Merz. Der frühere Blackrock-Aufsichtsratschef wird laut Civey von 46,2 Prozent der „Entscheider“ als wirtschaftskompetent eingeschätzt. „Keinem der Genannten“ wollten 20,1 Prozent der Teilnehmer hohe Kompetenz in Fragen der Ökonomie zuschreiben.

Zur Methodik der aktuellen Befragung lieferte die Wirtschaftswoche in ihrem Artikel keine Daten. Bei einer 2019er-Ausgabe des „Entscheiderpanels“ hatte Civey nach eigenen Angaben allerdings 1.500 Unternehmer in leitenden Positionen von Betrieben mit mindestens zehn Angestellten befragt.

CDU-Vorsitz: Laschet warnt durch die Blume von Merz - „polarisierender Parteichef wäre falsch“

Laschet bemühte sich (unabhängig von diesen Zahlen) am Freitag, durch die Blume vor einer Kür Merz‘ zum CDU-Chef abzuraten - ohne dabei den Namen des Rivalen zu nennen. „Ein polarisierender Parteichef oder Kanzler wäre falsch in dieser Situation“, warnte der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens. Merz hatte erst am Sonntag mit einer harschen Aussage beim ARD-Talk „Anne Will“ Negativschlagzeilen gemacht, wie Merkur.de* berichtete.

Laschet selbst will die Delegierten beim CDU-Parteitag im Januar offenbar mit seiner eigenen Regierungserfahrung überzeugen. „Gerade in diesen Zeiten, da fast täglich große Entscheidungen zur Corona-Pandemie zu treffen sind, ist Regierungserfahrung extrem wichtig“, sagte er in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. „Vom künftigen Kanzler wird verlangt, nicht nur theoretische Reden zu halten, sondern praktische Regierungsarbeit zu leisten.“ Merz hat noch nie ein hohes öffentliches Amt auf Landes- oder Bundesebene bekleidet.

„In einer aus den Fugen geratenen Welt ist Stabilität ein hohes Gut“, hob der Ministerpräsident weiter hervor. Außerdem müsse der Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel „Deutschlands Rolle in Europa und der Welt in Kontinuität weiterentwickeln und im Inneren mit neuen Ideen und einer neuen Dynamik für die Zukunft kombinieren“. Laschet hat am selben Tag auch einen Vorschlag für die weiteren Corona-Maßnahmen publik gemacht - er fiel strikt aus, aber etwas lockerer als die Pläne von Angela Merkel. (fn/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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