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Nach Warnung der Drogenbeauftragten *mit Voting*

Soll Kiffen legalisiert werden? Was dafür spricht und was dagegen

Eine Person raucht Marihuana (Symbolbild)
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Drogen (Symbolbild)
  • Tim Niemeyer
    VonTim Niemeyer
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Nachdem sich alle drei Parteien (FDP, Grüne, SPD) , die sich aktuell in weit fortgeschrittenen Koalitionsverhandlungen befinden, schon im Wahlkampf grundsätzlich für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen haben, ist es sehr naheliegend, dass ebendiese recht bald kommen könnte. Die Meinungen dazu gehen allerdings sehr stark auseinander. Es folgt eine Analyse von Tim Niemeyer.

Rosenheim Eines der brisantesten Themen im gesellschaftlichen Diskurs ist aktuell die mögliche Legalisierung der derzeit noch verbotenen Droge Cannabis. Die Debatte zum Thema wird kontrovers geführt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, warnt beispielsweise eindringlich vor einer möglichen Legalisierung. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hingegen sieht das Verbot als überholt an.

Dabei gibt es einige Vor- und Nachteile, Pro- und Kontra-Argumente, die von beiden Standpunkten immer wieder hervorgeholt werden. Die folgende Analyse soll die gängigsten Argumente beider Seiten genauer unter die Lupe nehmen und aufklären, was wirklich dahinter steckt.

Argument eins: Cannabis und Alkohol

Immer wieder werden in der Diskussion um die Legalisierung Cannabis und Alkohol miteinander verglichen und die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Denn was bei Marihuana verboten ist, ist beim Alkohol gesellschaftlich völlig unproblematisch. Dabei kann der Konsum von Alkohol zum Teil viel fatalere Folgen haben, als der von Cannabis. Studien zeigen, dass Alkoholkonsum nachgewiesener Maßen jedes einzelne Organ angreifen kann - von der Leber bis zum Gehirn. Bereits ab dem zweiten kleinen Bier, kann es für einen Erwachsenen gesundheitsschädlich werden, klärt der BR auf.

Was Cannabis angeht, so bestätigen Mediziner, soll es für Erwachsene weniger gefährlich sein als Alkohol. Ein Joint am Wochenende sei völlig unbedenklich. Andererseits ist die Legalität von Alkohol allerdings ein eher schwaches Argument, denn nur weil eine Droge weniger schädlich ist, als eine andere, heißt es noch lange nicht, dass man sie zwangsläufig erlauben muss. Besonders, weil es ja mit Alkohol und Nikotin schon zwei legale Drogen gibt, die den Körper erheblich schädigen.

Argument zwei: Entlastung der Polizei

Cannabis ist mit Abstand die Droge, die die Polizei am meisten beschäftigt. Wie aus der Bundeskriminalstatistik des BKA zu entnehmen ist, fallen jährlich rund 220.000 Delikte aufgrund von Cannabis-Konsum an. Hinzu kommen noch knapp über 30.000 Delikte in Bezug auf den Handel damit. Dadurch macht Cannabis rund 60 Prozent der Drogenarbeit der Polizei aus. Viele dieser Fälle würden logischerweise wegfallen, sollte Marihuana legalisiert werden. Die Polizei hätte damit mehr Kapazitäten sich auf erwiesenermaßen gefährlichere Drogen wie Heroin zu konzentrieren.

Ein Gegenargument hat der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, kürzlich aufgebracht. Im Straßenverkehr würde die Kombination aus alkoholisierten und bekifften Fahrern die Ordnungshüter deutlich mehr beschäftigen. Das ist aktuell aber eher spekulativ, denn Zahlen dafür gibt es nicht. Hier ist es an der Politik, schlagkräftige Strafen aufzustellen und tragfähige Regeln zu schaffen, um auch weiterhin Fahrten unter Drogeneinfluss zu verhindern.

Zum Vergleich: Im Jahr 2020 kam es in Deutschland zu 31.540 Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss. Sollte es zu genauso vielen Unfällen auf Grund von Cannabis-Konsum kommen, läge diese Zahl immer noch deutlich unter der Zahl der wegfallenden Delikte wegen Drogenbesitz. Auch wenn das Ausmaß eines Verkehrsunfalls natürlich ein anderes ist, als das eines kleinen Drogendelikts.

Argument drei: Der Jugendschutz

Dieses Argument lässt sich eigentlich recht schnell abhandeln. Studien, beispielsweise beim Bundesgesundheitsministerium abrufbar, zeigen zwar, dass Marihuana vor allem für die Entwicklung des Gehirns schädlich sein kann und beispielsweise dazu beitragen kann, dass der Konsument sein soziales Umfeld, Schule oder Ausbildung auf Dauer eher vernachlässigt. Allerdings ist bei einer Legalisierung sowieso nur der Verkauf ab 18 Jahren geplant und wenn Jugendliche illegal kiffen wollen, dann finden sie Mittel und Wege, unabhängig davon, ob Cannabis ab 18 legal ist oder nicht. Das war in der vergangen Zeit als Cannabis vollständig verboten war bereits so. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt fest, dass etwa zehn Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 schon einmal Cannabis konsumiert haben, trotz des Verbotes.

Argument vier: Die Qualität der Produkte

Bei der Annahme, dass die Produktqualität bei einem geregelten Verkauf höher ist, als auf dem Schwarzmarkt, handelt es sich tatsächlich um ein sehr schlagkräftiges Argument, denn bei einem legalen Verkauf hätte die Politik eine Möglichkeit die Qualität der Produkte zu kontrollieren. Dies ist derzeit natürlich nicht der Fall. Auf dem Straßenmarkt hat man es hingegen häufig mit hochgezüchteten, mit suchtauslösenden Stoffen verunreinigten oder auch gestreckten Varianten zu tun über dessen Qualität man keine Auskunft hat. Das macht den Konsum aktuell noch einmal deutlich gefährlicher. Bei einem geregelten Verkauf würde diese Problematik komplett wegfallen, das erklärt auch eine Hanf-Expertin bei Deutschlandfunk.

„Der Schwarzmarkt ist nicht kontrollierbar, da wird Gras verkauft, was mit synthetischen Substanzen bereichert wird und wo die Wirkung von Cannabis um ein Vielfaches verstärkt wird und was auch zu vielen Krankenhausaufenthalten geführt hat. Dem würde man den Boden entziehen, dem Schwarzmarkt.“

Nhung Nguyen - Hanf-Expertin im Gespräch mit Deutschlandfunk

Argument fünf: Der Wirtschaftsfaktor

Auch der Wirtschaftsfaktor ist ein entscheidendes Pro-Argument, gegen das es nicht viel einzuwenden gibt. Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sprach im Interview mit Deutschlandfunk zunächst von rund zweieinhalb Milliarden Euro, die der deutsche Staat jährlich an Steuern mehr zur Verfügung hätte, wenn Cannabis legal wäre. Zudem zeigen Staaten und Länder in denen Cannabis bereits legal ist, dass das wirtschaftliche Konzept funktioniert. Haucap führt weiterhin aus, dass eine erhebliche Menge neuer Arbeitsplätze geschaffen werden könne, sollte Cannabis legal werden.

Ein brandneue Studie, ebenfalls von Haucap fasst die Gesamtbilanz der Cannabis-Einsparungen zusammen und schraubt diese Zahl so noch einmal in die Höhe. Summa summarum könnten sogar 4,7 Milliarden für den Staat herausspringen.

Argument sechs: Die Gesundheit

Die Gesundheit ist ein großer Streitpunkt mit vielen divergierenden Positionen. Zunächst ist ein Hauptargument der Kritiker, dass der Konsum von Cannabis Psychosen verursachen kann. Das ist nach Studienlage allerdings nicht ganz korrekt, denn wie unter anderem das Wissenschaftsmagazin quarks feststellt, kann Cannabis Psychosen zwar begünstigen, aber eher nicht verursachen. Zur ganzen Wahrheit gehört nämlich, dass der statistische Zusammenhang noch nichts darüber aussagt, ob Cannabis-Konsum eine Psychose auch wirklich verursacht, oder ob die Psychose schon in einer Person geschlummert hat, bevor diese mit dem Kiffen begonnen hat. Fakt ist aber: Cannabis-Konsumenten haben häufiger Psychosen als Abstinente.

Auch eine Auswirkung von Cannabis auf das Gehirn ist mittlerweile mehrfach nachgewiesen worden, denn die Inhaltsstoffe greifen in das Motivations- und Lernsystem im Gehirn ein, wie unter anderem eine Studie der Camebridge University zeigt. Dazu gehört aber auch gesagt, dass sich die Ergebnisse vor allem auf sehr intensiven und regelmäßigen Konsum beziehen. Auch belegt ist, dass das Rauchen von Marihuana den Atemwegen schadet und Krankheiten wie Bronchitis begünstigen kann. Im Gegensatz zum Tabakrauch ist Cannabis allerdings nach aktueller Studienlage nicht krebserregend.

Den negativen Faktoren gegenüber stehen allerdings unzählige Studien, die auch die positiven gesundheitlichen Aspekte vom Cannabis-Konsum in den Fokus stellen. Speziell bei chronischen Erkrankungen kann die Droge extrem hilfreich sein. In vielen Fällen lindert Marihuana Schmerzen und schwächt Krankheitssymptome ab. Allerdings beziehen sich die positiven Effekte meist auf erkrankte Personen, die durch Cannabis eine Verbesserung erfahren und nicht auf bereits Gesunde.

Ein entscheidender Faktor darf dabei aber nicht übersehen werden: Cannabis-Konsum kann faktisch gesehen nicht tödlich sein. Auf eine entsprechende Anfrage hin bestätigte das Bundesgesundheitsministerium, dass es in Deutschland keinen Toten in Bezug auf Cannabiskonsum an sich gab. Weltweit wurde noch nie ein Todesfall, direkt durch Cannabis-Konsum verursacht, datiert, das schreibt auch quarks. Während Analysen des Bundesgesundheitsministeriums von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol ausgehen – und das nur in Deutschland.

Argument sieben: Cannabis ist eine Einstiegsdroge

Das Argument der Kritiker, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist, ist nicht wirklich stichhaltig. Zwar ist es korrekt, dass viele Konsumenten von härteren Drogen zuvor Cannabis konsumiert haben, allerdings spricht das nicht zwangsläufig gegen eine Legalisierung. Denn solange die Droge illegal ist, muss man sie bei einem Dealer oder auf dem Schwarzmarkt erwerben. Erst beim Dealer kommt man als Konsument meist mit härteren Drogen in Kontakt, die von ebendiesem auch mitgeführt und beworben werden.

Beim Kauf in Supermarkt, Apotheke oder speziellen Cannabis-Geschäften wäre dies allerdings nicht der Fall, denn hier kommt man nicht mit harten Drogen in Kontakt und wird so nicht zum Kauf verleitet. Daher kann ein geregelter Verkauf von Cannabis den Kontakt zu harten Drogen sogar hemmen und muss ihn nicht zwangsläufig fördern. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert auf ihrer Seite drugcom.de. auch darüber, dass Cannabis nur ein Faktor von vielen sein kann auf dem Weg zu harten Drogen, aber „sicher nicht als die Einstiegsdroge“ bezeichnet werden kann.

Fazit

Sowohl die Kritiker, als auch die Befürworter können schlagkräftige Argumente hinter sich vereinen. Das wichtigste Argument sind gesundheitliche Bedenken. Die Folgen hierbei treten allerdings hauptsächlich bei exzessivem Konsum auf, beziehungsweise dann, wenn schon vor Beginn des Konsums eine Veranlagung zu psychischen Problemen bestand. Auf den gesundheitlichen Faktor sollte daher bei einer möglichen Legalisierung das Hauptaugenmerk gelegt werden.

Die Argumente für eine Legalisierung überwiegen allerdings, zumindest meiner Meinung nach und so wie es auch die aktuelle Erkenntnis der drei Koalitionsparteien zeigt (FDP,SPD, Grüne). Zum einen lassen sich Kontra-Argumente wie das der Einstiegsdroge oder des Jugendschutzes relativ leicht relativieren und zum anderen gibt es auch eindeutige Pro-Argumente wie den Wirtschaftsfaktor, die polizeiliche Entlastung oder die Produktqualität. Bei einer intensiven Recherche fällt auf, dass auch die Tendenz von Experten aus verschiedenen Branchen eher zur Legalisierung hin als von ihr weg geht. Vor allem auch dadurch, dass Alkohol erlaubt ist, obwohl die Konsequenzen der Konsums in vieler Hinsicht deutlich schlimmer sein können.

Der Jugendrichter Andreas Müller sagte zum Beispiel erst kürzlich dem Deutschlandfunk: „Es gibt keine Argumente mehr für die Prohibition“, auch wenn das, wie sich zeigt, etwas sehr überspitzt ist. Es gilt jedenfalls wie bei jeder Droge, ob legal oder illegal, auch Cannabis ist im wahrsten Sinne mit Vorsicht zu genießen. Und sollte man eher auf der Seite der Kritiker stehen, als auf der der Befürworter so ist man ja durch eine Legalisierung noch lange nicht dazu gezwungen Cannabis zu konsumieren.

nt

Marihuana, Cannabis, Hanf und Co. - wo sind die Unterschiede?

Cannabis ist ursprünglich das lateinische Wort für Hanf. In Deutschland, sowie in vielen anderen Ländern auch, wird der Begriff Cannabis allerdings häufig umfassend für Hanfpflanzen und THC-haltige Produkte der Pflanze genutzt.

Als Marihuana oder Gras bezeichnet man die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. An Drüsenhaaren auf diesen Blüten sitzt das „Harz“ der Pflanze, mit seinen hohen Konzentrationen von THC, CBD und anderen Cannabinoiden. Marihuana ist je nach Qualität, Herkunft, Anbaumethode und Trocknungsgrad üblicherweise grün bis bräunlich, teilweise auch weiß oder leicht lila.

Haschisch ist das gesammelte und meist gepresste „Harz“ der Hanfpflanze. Es kann nicht nur aus den Blüten, sondern auch aus mit Harzen besetzten Blättern gewonnen werden. Je nach Qualität und Herstellungsmethode schwankt seine Farbe von hellem grau-braun bis zu mattem schwarz.

Quelle: Deutscher Hanfverband

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