Brücken und Gräben

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FC Bayern kooperiert mit Katar. Wie wertvoll sind Prinzipien?

Kein Fußballverein ist so stolz auf seine Tradition wie Real Madrid. Für eine Geschäftsexpansion sagte er sich aber sogar vom christlichen Kreuz los, das seit 1920 das Wappen ziert. Als die Bank von Dubai als Sponsor einstieg, verschwand das Symbol für die neuen Kreditkarten aus dem Emblem. „Marca“, Hausblatt des Klubs, zeigte Verständnis: „Es geht darum, keine Empfindlichkeiten zu verletzen.“

Der Sport, der Kommerz, die Emotionen, die Globalisierung – mehr denn je bewegt sich die Branche in der heutigen Zeit zwischen Brücken und Gräben. Eine Frage der Werte, wie in allen Teilen unserer Gesellschaft. Nur befindet sich der Sport unter einem besonderen Brennglas. Debatten verlaufen wesentlich aufgeheizter.

Die Partnerschaft des FC Bayern mit Katars Flughafen löste gestern unmittelbar nach der Bekanntgabe einen wahren „Shit-storm“ im Netz aus, und auf Twitter entstand der spöttische Hashtag „#dohaisdahoam“. Der Vorwurf: Der Verein verkauft sich, ignoriert die Menschenrechte sowie seine (mit)denkenden Fans.

Der FC Bayern kann sich von seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht freisprechen und muss Werte verkörpern. Grundsätzlich aber sieht sich ein exponierter Fußballklub stets einer Diskussion ausgesetzt, die die Öffentlichkeit in zwei Extrempositionen teilt. Die These „Sport ist Sport“ trifft auf „Sport hat immer auch eine politische Dimension“. Schwarz-Weiß-Denken. Heikel.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Katar sind vielfältig, von der Deutschen Bank über VW, und für 2017 bastelt die Regierung an einem „deutsch-katarischen Kulturjahr“. Da gibt es keinen Aufschrei – dafür aber, wenn sich der Fußball Öl-Millionen abzapft. So opportun es ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen: Das geht an der Kernthematik vorbei.

Die Herausforderung liegt darin, Botschaften mit Leben zu erfüllen. Der FC Bayern behauptet, er strebe eine Politik des Dialogs statt des Boykotts an. Bisher speiste der Klub politische Aspekte eher plump in seine Pläne ein; ganz so, wie es ihm passte. Die Katar-Liaison begleitet daher nun mehr denn je die Frage, wie viel dem deutschen Rekordmeister seine Prinzipien wert sind.

Andreas Werner

Sie erreichen den Autor unter

andreas.werner@ovb.net

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