Seit den 80ern in Deutschland

Mächtiger Clan-Chef in der Nacht überrascht - SEK-Einsatz und Abschiebung nach Libanon

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Abschiebung: Der Clan-Chef Ibrahim Miri wurde aus Deutschland ausgewiesen. (Symbolfoto)

Ibrahim Miri, der Chef des Miri-Clans in Bremen, ist nach einem SEK-Einsatz abgeschoben worden. Der Anführer des Familienclans wurde nachts überrascht.

Bremen - Er ist der Kopf eines mehrere tausend Mitglieder umfassenden Familien-Clans. Und nach Ansicht der Ermittler tief in den Handel von Drogen und Waffen verstrickt - rund 100 Straftaten sollen ihm angelastet werden. Nun wurde Ibrahim Miri abgeschoben. Nach Informationen der Bild in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (Artikel hinter einer Bezahlschranke).

Die Vorbereitung der Operation, die in Polizeikreisen „Störung der Nachtruhe des Herrn Miri“ genannt wird, soll Monate in Anspruch genommen haben. Binnen weniger Stunden wurde alles durchgezogen. So sollen sich Spezialkräfte um 3.40 Uhr in die Unterkunft des 46-Jährigen im Bremer Bahnhofsviertel geschlichen haben. Die Elitepolizisten hätten sein Bett umstellt, Miri geweckt und mitgenommen.

Ibrahim Miri in den Libanon abgeschoben: SEK überraschte ihn in Bremen

Ein bereitstehender Hubschrauber habe ihn von der Hansestadt zum Berliner Flughafen Schönefeld gebracht, wo um 6.20 Uhr ein Learjet - die Flugstunde kostet laut Bild 50.000 Euro - mit Miri an Bord in Richtung Libanon abhob. Vier Stunden später sei der Clan-Chef in Begleitung vermummter Beamter in Beirut gelandet. Wie das Blatt weiter berichtet, sei Miri direkt auf freien Fuß gekommen, weil im Libanon nichts gegen ihn vorliege.

In Deutschland dagegen war er 2014 wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Bereits 2017 bekam Miri Freigang. Der von ihm angeführte Familien-Clan, aus dem sich mehr als tausend Mitglieder schon Ermittlungen gegenüber sahen, soll auch Prostitution und Menschenhandel betreiben. Nachdem die Miris bereits die Bremer Unterwelt beherrscht hätten, sollen sie sich auch in Nordrhein-Westfalen - genauer: Essen - und Berlin ausgebreitet haben.

Ibrahim Miri lebte in Bremen - Abschiebung durch Hilfe aus Berlin

Ibrahim Miri drohte zwar bereits seit 13 Jahren die Abschiebung. Doch er galt als staatenlos, seit er in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Deutschland geflohen war. Die nun erfolgte Abschiebung ist offenbar auf die Arbeit von Berlins Innensenator Andreas Geisel zurückzuführen. Der SPD-Politiker wollte kürzlich während seines Beirut-Besuchs ausloten, wie einzelne Kriminelle in das Land abgeschoben werden könnten. Focus Online zufolge ist eine Ausländerbehörde im Innenressort gegründet worden, deren einziges Ziel die Abschiebung schwerkrimineller Ausländer sei. Geisel selbst sprach jüngst davon, er wolle „den Druck auf die organisierte Kriminalität hochhalten“.

Der Fall Miri zeigt, dass die Behörden entschlossener gegen Großfamilien und Clans vorgehen, es sollen mittlerweile auch Lagebilder erstellt werden. Allerdings wird sich das Vorgehen nicht immer wiederholen lassen. So besitzen laut der jüngsten Erhebung im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung 36 Prozent der kriminell gewordenen Clan-Mitglieder in der Hochburg NRW die deutsche Staatsbürgerschaft und können damit ebenso wenig abgeschoben werden wie etwa Syrer, deren Anteil in NRW-Clans 13 Prozent ausmacht.

Miri-Clan jetzt ohne Chef? Einreisesperre von bis zu zehn Jahren

Und auch Miri, der zudem Chef des mittlerweile verbotenen Rockerklubs Mongols MC Bremen war, könnte die deutschen Behörden schnell wieder beschäftigen. Zwar darf er nicht so schnell in die Bundesrepublik zurückkehren. Christian Cardone, Rechtsanwalt für Ausländerrecht, nannte in der Bild eine Einreisesperre von bis zu fünf Jahren. Diese könne bei Straftätern sogar auf bis zu zehn Jahre verlängert werden. Es sei jedoch möglich, eine Verkürzung zu beantragen, „wenn er Frau und Kind mit Aufenthaltserlaubnis hier hat“.

Ein Clan-Insider betonte jedoch in dem Blatt: „Wenn er will, kann er jederzeit nach Deutschland zurück. Die Kontrollen sind lasch.“ Außerdem könne Miri seine Geschäfte auch vom Libanon aus steuern. Ähnlich äußerte sich Clan-Experte Mathias Rohe von der Universität Erlangen bei Focus Online: „Die kriminellen Aktivitäten werden dadurch auch nicht sofort beendet, schließlich können die Abgeschobenen aus dem Ausland weiter Einfluss nehmen. Das grundsätzliche Problem lösen wir dadurch jedenfalls nicht.“

Bei der Innenministerkonferenz herrschte in Sachen Abschiebungen Uneinigkeit zwischen den Regierungsparteien. In Leipzig eskalierte die Situation während einer geplanten Abschiebung eines Flüchtlings - es kam zu Attacken auf die Polizei. Wie Merkur.de* berichtet, wurde ein Polizist während einer Abschiebung auf dem Münchner Flughafen schwer verletzt.

Vor einem Aldi südlich von Hamburg kam es in Seevetal in Niedersachsen zu blutigen Attacken zwischen Clan-Mitgliedern, wie nordbuzz.de* berichtet.

*Merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mol

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