CDU-SPITZENKANDIDAT ARMIN LASCHET IM PORTRÄT – STARKE CHRISTLICHE PRÄGUNG – ERSTE BERUFLICHE STATIONEN ALS JOURNALIST IN MÜNCHEN

Der brave Angreifer

Familienmensch: Armin Laschet (v. re.) mit Ehefrau Susanne und den Söhnen Johannes und Julius gestern. FOTO: SHUTTERSTOCK
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Familienmensch: Armin Laschet (v. re.) mit Ehefrau Susanne und den Söhnen Johannes und Julius gestern. FOTO: SHUTTERSTOCK

Düsseldorf – Er sei ein echter Aachener „mit Liebe zu Karneval, zum Reitturnier und zum Aachener Dom“, sagt Armin Laschet (56).

Jetzt, nach einem furiosen Wahlkampf und dem sehr guten Ergebnis für die CDU, dürfte der Bundesvize neuer Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen werden. Regierungserfahrung hat er schon. Wer ist dieser Mann? Ein Kurzporträt.

Laschet wuchs in Aachen auf, die Familienverhältnisse waren einfach: Der Vater arbeitete im Bergbau als Steiger, die Mutter sorgte sich um die Kinder. Dass er und seine drei Brüder studieren konnten, sei keine Selbstverständlichkeit, aber seinen Eltern sehr wichtig gewesen, sagt Laschet. „Mein Vater hat mir so gezeigt, dass sich Arbeit lohnt und dass Aufstieg möglich ist. Dies will ich allen Kindern in Nordrhein-Westfalen unabhängig von der Herkunft der Eltern ermöglichen.“

Nach seinem Jura-Studium in München und Bonn wollte Laschet Journalist werden. Seine ersten Erfahrungen sammelte er beim Bayerischen Fernsehen und dem Münchner Privatsender Radio Charivari. Doch dann zog es ihn zurück nach Aachen. „Das ist für mich Heimat, Abendland, Europa.“ 1991 wurde er Chefredakteur der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, von 1995 bis 1999 war er Verlagsleiter und Geschäftsführer des Aachener Einhard Verlags, ehe er ganz in die Politik wechselte.

Laschet weiß, wie man mit Geduld und Hingabe nach oben klettert, das zeigt sein Werdegang. „Mein Wunsch war es immer, mich einzusetzen für eine bessere Welt“, sagt er. Bereits mit 28 Jahren war Laschet Ratsherr im Aachener Stadtrat, später Abgeordneter im Bundestag und im Europaparlament. Von 2005 bis 2010 war er Integrationsminister im Landeskabinett von Jürgen Rüttgers. „Türken-Armin“ nannten sie ihn damals spöttisch wegen seiner liberalen Haltung. Sein 2009 veröffentlichtes Buch „Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance“ ist als programmatische Aussage zu werten. Gerade in der Flüchtlingspolitik hat sich Laschet immer wieder an die Seite seiner Parteivorsitzenden Angela Merkel gestellt, genauso wie beim Doppelpass, den er wie die Kanzlerin beibehalten will. Dennoch pocht der studierte Jurist auf Klarheit: „Wenn man wie wir dafür eintritt, ankommenden Flüchtlingen zu helfen, muss man andererseits deutlich denen gegenüber, die sich nicht an Gesetze halten, das Recht durchsetzen.“

Entscheidend für ihn ist seine christliche Prägung. Als Jugendlicher war Laschet Messdiener und Gruppenleiter in einer katholischen Pfarrgemeinde. Die Kirche ist nicht nur der Ort, an dem er erste Kontakte zur CDU knüpfte, auch seine Frau Susanne lernte er hier kennen: im Kinderchor, den ihr Vater leitete. Laschet heiratete seine Jugendliebe mit 24 Jahren. Die Buchhändlerin und er haben drei erwachsene Kinder.

Zu seinem persönlichen Stil hieß es häufig, Laschet fehle es an Biss, er sei zu brav. „Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, den Wahlkampf in der Sache hart, aber trotzdem menschlich fair zu führen“, sagt er dazu. „Das haben wir durchgehalten, und daran wird auch nichts geändert. Ich bin so, wie ich bin.“  kna/dpa

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