Wer hat die besseren Nerven?

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Am Sonntag wird ein Schlussstrich gezogen: Lacht dann der Grieche Tsipras oder Merkel?

Die Griechenland-Krise steuert auf die Entscheidung zu. Premier Tsipras bleibt stur. Kanzlerin Merkel hat lange gezögert. Nun nimmt sie die Sache doch noch in die Hand.

Krise um Griechenland

Die Griechenland-Krise steuert auf die Entscheidung zu. Premier Tsipras bleibt stur. Kanzlerin Merkel hat lange gezögert. Nun nimmt sie die Sache doch noch in die Hand.

Von Thomas Lanig

Brüssel – Viel Kritik hatte sich Angela Merkel in den letzten Wochen anhören müssen. Das näher rückende Scheitern der Rettungspolitik für Griechenland werde zum Scheitern ihrer Kanzlerschaft, war zu lesen; als „Trümmerfrau“ setzte sie der „Spiegel“ auf den Titel. Fünf Jahre lang war dies Merkels Linie gegenüber den Griechen: keine Leistung ohne Gegenleistung, Milliarden nur gegen Reformen und Sparauflagen. Tatsächlich könnte diese Politik am Sonntag am Ende sein.

Der Mann, der die Niederlage Merkels will, spricht an diesem Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg. Von jubelnden Anhängern begleitet, tritt Alexis Tsipras ans Pult. „Die Verantwortung für die ausweglose Situation tragen die Programme, die Griechenland in fünfeinhalb Jahren nicht aus der Krise herausgeführt haben.“ Das kommt beim bürgerlichen Teil des Plenums nicht gut an. Die Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament, Angelika Niebler schimpft: „Kein Wort von Tsipras, was seine Regierung bislang unternommen hat und künftig unternehmen wird, um sein Land zu reformieren! Es gab auch kein Wort der Anerkennung für die Steuerzahler in den anderen 18 Euro-Staaten, die Griechenland Geld geliehen haben und von denen er erneut Geld erhalten möchte. Vielmehr hat er erneut behauptet, die Geldgeber hätten Griechenland terrorisiert.“

Auch Merkel weist die Tsipras-Behauptung, die Hilfsprogramme als Austeritätspolitik und überzogenen Sparkurs zu kritisieren, immer wieder zurück. Dass die Kanzlerin aber ganz wesentlich für den Kurs der EU in der Krise verantwortlich ist, bleibt unbestritten. Jetzt bleiben noch wenige Tage. „Sonntag wird so oder so ein Schlussstrich gezogen“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Es ist auch ein Nervenkrieg. Und Merkel erhöht den Druck auf Tsipras noch einmal. „Detaillierte Vorschläge“ müssten jetzt aus Athen kommen. Genau daran hat es bislang gemangelt, viele bezweifeln deshalb in Brüssel, dass es der Links-Rechts-Regierung in Athen gelingt, nun tatsächlich ein ausgearbeitetes Reformprogramm vorzulegen. Von seiner Umsetzung und den Garantien ganz abgesehen. „Ein Mehr an Verpflichtungen“ für Griechenland fordert die Kanzlerin sogar.

In Berlin tendiert das Vertrauen in die griechische Regierung vor allem in den Unionsparteien gen Null. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat den CDU- und CSU-Bundestagsabgeordneten im Ringen um Hilfen für Griechenland schon viel abverlangt. Aber das hat der Vertraute der Kanzlerin nicht geschafft: dass sie allesamt den Verlauf des Dramas gelassen abwarten. „Schlaft alle ganz ruhig. Die Entscheidung kommt auf uns zu, und dann werden wir schon den richtigen Weg finden“, hatte er Mitte Juni seinen 310 Unions-Kolleginnen und Kollegen im Parlament zugerufen.

Doch vor allem Politiker der Schwester CSU finden offensichtlich, dass jetzt nicht in der Ruhe die Kraft für die Verhandlungen über die finanzielle Rettung Griechenlands liegt, sondern eher in kräftigem Wirbeln. So rät der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der Kanzlerin via ZDF: „Schluss machen. Schluss. Aus.“ Also Griechenland raus aus dem Euro. Und Ex-Innenminister und Fraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) warnt schon einmal, er kenne keinen einzigen Fraktionskollegen mehr, der eine Basis für ein drittes Hilfspaket sehe.

Markige Sprüche, mächtige Drohungen. Von Rebellion ist die Rede.  dpa/mm/aw

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