Berlin sucht einen angeblich toten Flüchtling

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Michael Müller

Helfer meldet Herztod eines 24-jährigen Syrers – Keine Bestätigung von Kliniken und Behörden – Lageso im Zwielicht – Müller unter Druck. Von Kirsten Baukhage.

Berlin – Es ist das Alptraum-Szenario: In Berlin soll ein junger Flüchtling gestorben sein – und wieder spielt dabei das bundesweit für Verwaltungsversagen berüchtigte Landesamt für Soziales und Gesundheit (Lageso) eine Rolle. Zwar gibt es Zweifel am Tod des Flüchtlings, doch die Nervosität der Berliner Politik rund um die Problem-Behörde wächst.

Zur Vorgeschichte des Amts scheint der Fall zu passen. Erst warteten Flüchtlinge tage- und wochenlang in Hitze oder Kälte auf ihre Registrierung. Dann schlugen Heimbetreiber Alarm: Die Menschen müssten hungern, weil die Behörde mit den Zahlungen der Lebenshaltungskosten nicht hinterherkam. Am Mittwochmorgen folgte die Nachricht des Flüchtlingshelfers von einem ersten toten Flüchtling.

Zunächst gab es nur den Eintrag des Helfers bei Facebook. Demnach soll der 24- jährige Syrer tagelang am Lageso gewartet und hohes Fieber bekommen haben. Deshalb habe der Helfer den Flüchtling mit zu sich nach Hause genommen und einen Krankenwagen gerufen. Auf dem Weg ins Krankenhaus habe der Syrer einen Herzstillstand erlitten.

Später löschte der Helfer den Facebook-Eintrag. Am Nachmittag verbarrikadierte er sich in seiner Wohnung. Die Sozialverwaltung fragte viele Kliniken ergebnislos ab. Auch Feuerwehr und Polizei konnten den Tod eines Flüchtlings nicht bestätigen. Eine Sprecherin des Vereins „Moabit hilft“ erklärte noch, derzeit nicht an den Angaben des Helfers zu zweifeln. Am Abend erklärte eine Polizeisprecherin nach einer Befragung des Helfers: „Wir haben kleinen toten Flüchtling.“

Unabhängig von den Zweifeln, die im Laufe des Tages auftauchten, verbreitete sich die Nachricht vom angeblichen Tod eines Syrers wegen der langen Wartezeiten vor dem Lageso im Internet. Das Amt kommt aus der Negativ-Spirale nicht heraus. Der zuständige Sozialsenator Mario Czaja (CDU) steht seit langem am Pranger. Die Opposition fordert seit Wochen von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) seinen Kopf.

Die rot-schwarze Koalition ist im Wahljahr unter Druck. In der Flüchtlingspolitik läuft kaum etwas zusammen, zu groß sind die inhaltlichen Differenzen. Die Berliner CDU verlangt wie die CSU eine Obergrenze, will verstärkt Flüchtlinge aus sicheren Drittstaaten abschieben. Die SPD lehnt dies ab und sieht darin keine Lösung. Zudem lasten nicht wenige SPD-Abgeordnete dem CDU-Senator Czaja einen Teil der Probleme an: Der 40-Jährige bekomme das Chaos am Lageso nicht in den Griff.

Müller muss mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl inzwischen befürchten, von den Hiobsbotschaften vom Lageso und dem arg lädierten Image seines Sozialsenators selbst beschädigt zu werden. Müller stellt sich am 18. September erstmals dem Votum der Wähler.

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