Wahljahr 2021

Bayern SPD vor unruhigen Zeiten: Natascha Kohnen will Landesvorsitz abgeben - Zeit mit „Höhen und bitteren Tiefen“

Natascha Kohnen, Landesvorsitzende der SPD in Bayern, beim Landesparteitag nach ihrer Wiederwahl als Landesvorsitzende 2019.
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Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen will bei der vermutlich im März anstehenden Neuwahl des Landesvorstands nicht mehr kandidieren.

Die Landesvorsitzende der Bayern SPD, Natascha Kohnen, will ihr Amt abgeben. Und das im Jahr der Bundestagswahl. Jüngere sollten die Verantwortung an der Spitze übernehmen, so Kohnen.

München - Bayerns SPD-Chefin Natascha Kohnen will ihr Amt im kommenden Jahr abgeben. „Für den Vorsitz der Bayern-SPD werde ich beim Landesparteitag im nächsten Jahr nicht mehr antreten, denn es ist in meinen Augen Zeit, dass mehr Jüngere die Verantwortung an der Spitze übernehmen. Denn die Zukunft ist ihre“, sagte Kohnen am Samstag nach einer Sitzung des Landesvorstands der Deutschen Presse-Agentur in München. Ihr Landtagsmandat will sie aber weiter behalten. Seit 2008 ist die 53-Jährige Abgeordnete des Landtags.

Wann genau die bayerische SPD im kommenden Jahr ihre Neuwahlen durchführen kann, ist wegen der Corona-Krise aber völlig offen. Dem Vernehmen nach peilt die Partei einen Parteitag Mitte März an. Ob dieser dann stattfinden kann, hängt aber vom Infektionsgeschehen ab. Sollte die Infektionslage weiter angespannt bleiben, könnte sich Kohnens Amtszeit dadurch ungewollt noch verlängern.

Bayern SPD: Natascha Kohnen will 2021 nicht mehr bei der Wahl zum Landesvorsitz antreten

In jedem Fall steht der Landesverband vor unruhigen Zeiten, weil er nun zum Einstieg ins Bundestagswahljahr nicht nur einen kraftraubenden Schaulauf um Kohnens Nachfolge befürchten muss. Auch hinsichtlich der Organisationsstruktur sind noch viele Fragen offen: Wie im Bund soll auch bei der Bayern-SPD künftig eine Doppelspitze möglich sein, die Parteiarbeit soll auf allen Ebenen vollumfänglich digital laufen können inklusive eigener „BayernSPD-App“ und digitaler Ortsvereine. Die Spitzengremien sollen deutlich verkleinert werden und ein wissenschaftlicher Beirat soll etabliert werden.

All die organisatorischen Fragen stehen aber in den kommenden Monaten hinter der Personalfrage und immer auch im Schatten der generell schwierigen Lage der Partei. In Umfragen dümpelt die SPD in Bayern seit Monaten um die acht Prozent. Obwohl seit Kohnens Erfolg beim Mitgliederentscheid 2017 niemand öffentlich seine Ambitionen auf den Posten kundgetan hat, ist es jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Kandidaten und Kandidatenteams aus der Deckung kommen.

Natascha Kohnen (SPD): Landesvorsitz in Bayern war mit „Höhen und auch bitteren Tiefen verbunden“

Kohnen ist seit Mai 2017 Vorsitzende der bayerischen SPD. In ihrer Amtszeit musste die SPD im Freistaat viele Niederlagen verkraften. Unter anderem fuhren die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 2018 mit Kohnen als Spitzenkandidatin mit 9,7 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Seither ist sie in der Partei nicht unumstritten, konnte aber alle Rücktrittsforderungen erfolgreich abwehren. Auch bei der Europawahl und bei der Kommunalwahl musste die SPD in vergangenen Jahren schmerzhafte Pleiten hinnehmen.

„Die letzten 12 Jahre waren für mich erst als Generalsekretärin und seit 2017 als Landesvorsitzende der Bayern-SPD mit Höhen und auch bitteren Tiefen verbunden“, sagte Kohnen. Dennoch wolle sie keinen Tag missen. Trotz der schweren Wahlniederlagen auch auf Bundesebene sei sie aber optimistisch, dass die SPD bei den Menschen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen könne.

Kohnen ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Neubiberg unweit ihrer Geburtsstadt München. Von 2009 bis 2017 war die studierte Biologin Generalsekretärin im Landesverband. Vor ihrer politischen Karriere in Bayern lebte Kohnen einige Zeit in Paris. Innerhalb der SPD wird Kohnen dem linken Flügel zugeordnet. Zu ihren wichtigsten politischen Themen im Landtag zählen die Wohnungsnot und der Kampf gegen steigende Mieten. (dpa)

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