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Bayern hinkt beim Ganztag hinterher

Mitten im Wahlkampf bekommt der Streit um die Bildungspolitik neue Nahrung: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung rügt die mangelnde Versorgung mit Ganztagsschulen: Der Freistaat hinkt weiter dem Rest des Landes hinterher.

Bildung

Mitten im Wahlkampf bekommt der Streit um die Bildungspolitik neue Nahrung: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung rügt die mangelnde Versorgung mit Ganztagsschulen: Der Freistaat hinkt weiter dem Rest des Landes hinterher.

von Mike Schier

München – Es ist eher unwahrscheinlich, dass man sich im fernen Gütersloh mit den Feinheiten des bayerischen Landtagswahlkampfes auseinandersetzt. Trotzdem kommt das Papier der Bertelsmann-Stiftung für die SPD im Freistaat wie gerufen: Die in die Defensive geratenen Genossen wollen die Bildungspolitik in den verbleibenden Wochen bis zur Landtagswahl zu einem Schwerpunkt machen. Da passt die Kritik der unabhängigen Forscher natürlich glänzend: Im Schuljahr 2011/12 besuchten demnach 138 103 Schüler im Freistaat eine Ganztagseinrichtung, was 11,4 Prozent aller bayerischen Schüler entspricht. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr zwar minimal an – ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 30 Prozent aber immer noch sehr niedrig. Die Stiftung spricht von „deutlichem Nachholbedarf“.

Die Opposition stürzte sich am Sonntag mit Freude auf die Erhebung: „Wer eine Schnecke auf die Rennstrecke schickt, muss sich nicht wundern, wenn man nicht auf den vorderen Plätzen landet“, ätzte der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll. Vor allem die Qualität sei einfach nicht ausreichend. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) verhindere durch zu wenig zusätzliche Lehrerstunden, dass vor allem die Grundschulen mit guten Ganztagsschulangeboten rascher vorankämen.

Spaenle selbst wollte das nicht auf sich sitzen lassen: Die Pressemitteilung mit den Zahlen waren gerade einmal eine Stunde in der Welt, da reagierte der Minister mit einer dreiseitigen Stellungnahme: In den letzten Jahren habe der Freistaat massiv in den Ausbau der Ganztagsschulen investiert, stellte Spaenle klar. Gab es beispielsweise im Schuljahr 2002/2003 an 365 Schulen offene Ganztagsangebote, waren es im Schuljahr 2012/2013 bereits 1363.

Inmitten des Zahlensalats ist allerdings eine wichtige Unterscheidung zu treffen: zwischen offenen und gebundenen Ganztagsschulen. In gebundenen Einrichtungen bleibt auch am Nachmittag die Klasse bestehen, der verpflichtende Unterricht verteilt sich also über den ganzen Tag. In Bayern besuchen nur 5,1 Prozent der Schüler eine gebundene Ganztagsschule (Vorjahr: 4,3 Prozent) – auch dieser Wert liegt deutlich hinter dem bundesweiten Schnitt (knapp 14).

In offenen Ganztagsschulen erfolgt die Betreuung dagegen meist jahrgangsübergreifend im Anschluss an den regulären Klassenunterricht. Die Nutzung steht den Schülern frei. Die Bertelsmann-Stiftung hat eine deutliche Präferenz: „In der offenen Ganztagsschule konzentriert sich der Unterricht weiterhin auf den Vormittag, während nachmittags nur Betreuung möglich ist. Das mag berufstätigen Eltern entgegenkommen, dem Lernerfolg der Kinder hilft das weniger“, sagte sagte Vorstand Jörg Dräger.

„Bayern setzt beim Ausbau der Ganztagsangebote nicht auf eine verpflichtende Ganztagsschule, sondern auf einen bedarfsgerechten Ausbau entsprechend der Bedürfnisse von Eltern und Schülern“, erklärte dagegen Kultusminister Ludwig Spaenle. Die CSU gibt in ihrem Wahlprogramm erstmals ein konkretes Versprechen über die Ausbauziele: „Wir sagen zu, dass jeder Antrag auf Einrichtung eines Ganztagsangebots genehmigt wird“, heißt es darin. Und: „Bis 2018 soll jeder Schüler bis 14 Jahre ein Ganztagsangebot wahrnehmen können.“

Für die Stiftung ist dies ohnehin unerlässlich, sie geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert – ähnlich wie jetzt bei den Krippenplätzen – einen Rechtsanspruch für Schüler auf Ganztragsbetreuung. Dies sei „der entscheidende Hebel für eine staatliche Investitionsoffensive“, sagte Dräger. „Dann müssten die Länder das konzeptionelle Vakuum füllen und gemeinsame Qualitätsstandards erarbeiten, damit die Ganztagsschule ihre Potenziale auch entfalten kann.“

Die Nachfrage besteht: Bundesweit wünschen sich nach einer Erhebung von TNS Emnid bereits bei 70 Prozent der Eltern einen Ganztagsplatz für ihr Kind. Wenn Spaenle also ankündigt, den Ausbau am Bedarf zu orientieren, dürfte noch viel Arbeit auf ihn warten.

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