Ausweichen vor Geschichte

Boykott der Franz-Josef-Strauß-Feier. Franz Josef Strauß ist jemand, um den nicht nur die Landtags-Opposition, sondern auch Angela Merkel einen großen Bogen macht.

Aber der Geschichte ausweichen kann selbst eine Bundeskanzlerin nicht. Der Boykott diverser Festakte wirkt kleinkrämerisch. Zu Strauß sollte man Stellung beziehen in all seiner Widersprüchlichkeit, schlichtes Schwarz-Weiß-Denken sollte langsam einer neuen Nüchternheit weichen. Bei einer bayerischen Urgewalt wie Franz Josef Strauß verbieten sich schlichte Lobhudelei, Jubelfeiern und Heiligsprechung. Bei ihm muss man bei allen Verdiensten stets ein Aber mitdenken.

Strauß kann also kein Idol sein, ein Vorbild beispielsweise für politische Langfrist-Strategien hingegen sehr wohl. Der CSU-Übervater, aus dem die jetzige Partei neue Kraft saugen will, ist seit 27 Jahren tot. Langsam wäre es Zeit für eine gerechte und differenzierte Würdigung seiner Person. Da könnte man parteipolitischen Streit auch einmal hintan stellen. Im Übrigen: Wie gerecht die Staatskanzlei mit Geschichte umgeht, kann sie in drei Jahren beweisen – wenn der Freistaat Bayern 100 Jahre alt wird und sein Begründer, der Sozialist (nicht: Sozialdemokrat, wie die SPD listig meint) Kurt Eisner, auf Würdigung wartet.

Dirk Walter

Sie erreichen den Autor unter

Dirk.Walter@ovb.net

Kommentare